Montag, 7. Dezember 2015

Stell Dir vor Griechenland spart und keiner schaut hin

Griechenlands Parlament beschließt mit knapper Mehrheit ein Reformpaket und die Eurogruppe berät, ob weitere Hilfsgelder ausgezahlt werden können. Und die Börse? Nimmt nicht einmal Notiz von dem, was vor einigen Monaten noch heftige Kursbewegungen ausgelöst hätte. Denn Europa hat größere Probleme.

Die Schuldenkrise in Griechenland - sie ist noch lange nicht vorbei. Jetzt beschloss das Parlament in Athen neu Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen, um die Auflagen für neue Hilfsgelder zu erfüllen. Eigentlich eine Nachricht, die Aktionären gefallen müsste – doch die Maßnahmen spielen auf dem Parkett keine Rolle, in den meisten Börsenberichten werden sie nicht einmal erwähnt.

Ist die Krise also im Griff? Bei weitem nicht. Denn dass das neue Hilfsprogramm Griechenlands Wirtschaft nachhaltig wohl kaum sanieren wird, war allen Beteiligten von Anfang an klar. Und auch in anderen Euro-Länder, allen voran Frankreich und Italien, ist die Verschuldungsproblematik noch lange nicht gelöst.

Das bedroht nach wie vor die Existenz des Euro. Zudem rückt eine Ende der Geldschwemme der EZB in weite Ferne. Dass die Börse dieses Thema kaum zu Kenntnis nimmt, liegt also nicht daran, dass alles gut ist. Sondern daran, dass andere Themen noch wichtiger scheinen.

Angesichts der Flüchtlingskrise driftet Europa immer weiter auseinander, Grenzkontrollen sind da nur ein äußerers Zeichen. Immer öfter stellen Kommentatoren und Politiker das gesamte Konzept des Schengenraums in Frage und rechte Parteien, die ihn gerne aufgeben wollen, sind nicht nur in Frankreich auf dem Vormarsch. Die Verschuldung muss als Schreckgespenst der Börse also derzeit hinten anstehen - auch wenn alle wissen, dass das Thema wieder kommen wird.

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