Freitag, 29. Januar 2016

Freitagsfrage: Wieviel Aussagekraft haben Unternehmensausblicke?

Apple hat seine Anleger enttäuscht: Das vergangene Quartal lief zwar gut, ein neuer Rekordgewinn wurde eingefahren. Doch der Kurs fiel. Denn der Ausblick enttäuschte. Doch kann man Prognosen von Firmen überhaupt für bare Münze nehmen? Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst &Young (EY) hat das in einer Studie für den deutschen Prime All Share untersucht.

Stimmt das Zahlenwerk nicht, müssen die Unternehmen später im Jahr eine Gewinnwarnung aussprechen – oder per Ad-hoc-Meldung verkünden, dass alles doch besser läuft als gedacht. Und im ersten Halbjahr 2015 erreichten die Zahl dieser Korrekturmeldungen nach der Studie von EY im Prime Segment in Deutschland einen neuen Höchststand.

Von den 304 im Prime All Share gelisteten Firmen aus Dax & Co kassierten mehr als zwei Drittel ihren Ausblick wieder. Das ist Rekord. 80 Firmen mussten eingestehen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen können, bei 130 dagegen lief es besser als gedacht. Als eine wichtige Ursache dafür gilt einerseit der schwache Euro, der vielen Unternehmen zusätzliche Gewinne bescherte, andererseits die vielen Krisen etwa in den Absatzmärkten China und Russland, die die Planung verhagelten.

Interessant ist vor allem ein Blick auf die Branchen. Hier gibt es in der Studie eine Liste, die den Anteil der Unternehmen aufführt, die zwischen 2011 und 2015 mindestens eine Gewinnwarnung ausgesprochen haben. Am schlechtesten schneiden dabei mit 67 Prozent ganz klar die Energieversorger ab, im Groß- und Einzelhandel waren es noch 58 Prozent. Finanzdienstleister und die Chemie stehen mit 25 bzw 36 Prozent schon besser da – und als zuverlässigster Sektor in Sachen Gewinnprognosen glänzt die Immobilienbranche: Hier mussten gerade mal sechs Prozent in den Jahren 2011 bis 2015 eine Gewinnwarnung aussprechen.

Für Anleger ist die Untersuchung eine Erinnerung daran, dass die Ausblicke von Unternehmen auch nichts weiter sind als Prognosen. Und die sind bekanntermaßen ja dann ganz besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen