Dienstag, 19. Januar 2016

... und plötzlich nährt China die Hoffnung auf eine Wende beim Ölpreis

20 Dollar, 15 Dollar oder gar nur 10 Dollar? Wer bietet weniger? Die Analysten der Investmentbanken unterbieten sich seit Wochen in ihren Jahresprognosen des Ölpreises in geradezu dramatischer Weise. In diesen Wettstreit um das niedrigste Preisziel ist heute China mit unerwartet hohen Verbrauchszahlen geplatzt - und hat den Ölpreis kräftig nach oben geschoben. Was ist passiert?


Während alle Welt auf die im Rahmen der Erwartungen liegenden Zahlen zum Wirtschaftswachstum des Riesenreiches starrt, kommt die eigentliche Überraschung vom Ölverbrauch. Die Regierung hat gemeldet, dass er 2015 um 2,5 % auf den Rekordstand von 10,32 Millionen Barrel pro Tag geklettert ist. Viele Experten hatten bestenfalls mit einer schwarzen Null beim Zuwachs gerechnet. Das zeigt zum einen, dass China trotz der Konjunkturschwäche nach wie vor enorm viel Öl verbraucht - rund 11 % der Welt-Ölförderung 2016 - und zum anderen, dass die Regierung so clever ist, den niedrigen Preis zum Aufstocken ihrer strategischen Ölreserven zu nutzen.

Natürlich wird der Rekordverbrauch China den Ölmärkte nicht von heute auf morgen eine Preiswende bescheren - aber er dürfte in den nächsten Wochen zumindest die Angst vor einem ungebremsten Produktionsüberhang beim Rohöl reduzieren und mittelfristig eventuell zu einem Preisanstieg beitragen. Zumal die US-Frackingunternehmen wegen des Preisverfalls und der stillgelegten Pumpen nach neuen Prognosen 2016 deutlich weniger produzieren dürften als noch vor kurzem erwartet worden war - nämlich um über eine halbe Million Barrel pro Tag. Da das weltweite Überangebot derzeit auf rund 1,5 Millionen Barrel geschätzt wird, wäre das gemeinsam mit der höher als veranschlagten China-Nachfrage ein großer Schritt Richtung Gleichgewicht.

Die große Ölpreiswende (und eine Wende an den Rohstoffmärkten insgesamt) aber wird es wohl erst dann geben, wenn die Hoffnung auf eine Konjunkturwende in China wächst. Die heutigen Wachstumsdaten haben dazu zwar nicht viel beigetragen - aber sie haben immerhin nicht enttäuscht und zudem bewirkt, dass die Erwartung auf neue Stützungsmaßnahmen Pekings größer geworden sind. Der nächste ganz wichtige Termin für die Ölmärkte und für die Börsen wird deshalb am 1. Februar die Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindex für China sein. Wenn er, was einige Experten erwarten, endlich wieder steigt, weil Zinssenkungen und Yuan-Abwertung zu wirken beginnen, dürften die Öl - und Aktienängste viel kleiner werden.

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