Freitag, 5. Februar 2016

Freitagsfrage – welche Direktbanken bieten Robo Advisor an, und was hab ich davon?

In den USA bereits ein Milliardengeschäft, sind Anlagetipps vom RoboAdivsor hierzulande noch eher die Ausnahme. Doch das ändert sich inzwischen. Immer mehr Anbieter setzen auf automatisierte Anlagetipps vom „Internetberater“.
Bislang sind vor allem Fintechs wie Vaamo, Ginmon, just ETF oder Quirion auf dem Feld aktiv. Aber auch Onlinebroker wie Comdirect, Consorsbank und neuerdings auch die Deutsche Bank-Tochter maxblue mischen mit. Was darf man sich davon erwarten?

Echte Anlageberatung mit allem Drum & Dran im rechtlichen Sinn (sprich detaillierter Prüfung, ob die Anlageberatung auch wirklich zum Kunden passt, bedürfnis- und bedarfsgerecht ist, wie es so schön heißt, und auch ob die Risikotragfähigkeit gegeben ist) – all das darf man bislang bei den Direktbanken nicht erwarten. Fintechs wie Vaamo & Co. dagegen versuchen hier schon ein wenig genauer die Lage auszuloten. Kein Wunder, dass der Nutzer des noch neuen „Anlagefinders“ von maxblue erst einmal einen umfangreichen „Nutzungshinweis“ durchlesen muss, damit ihm klar wird, dass das hier keine Anlageberatung ist, was folgt. Dabei suggeriert der Name „Robo Advisor“ durchaus Beratung, doch die Realität sieht eben anders aus.

Die Robo-Advisor der Direktbanken, die ich mir für BÖRSE ONLINE näher angeschaut habe, sehen daher recht holzschnittartig vor allem die Abfrage von Anlagesumme, geplanter Dauer der Anlage und der eigenen Risikobereitschaft vor. Gerade letzteres dürfte vielen Leuten schwer fallen, außerdem zeigt die Behavioural-Finance-Forschung immer wieder, dass die Risikobereitschaft über die Zeit (und auch über die Börsenlage) hinweg schwanken kann. Risikotragfähigkeit, also ob man nicht vielleicht besser erst einmal seine Schulden tilgen sollte, wird nicht gecheckt.

Auch die Risikoprofile selbst sind meist ziemlich holzschnittartig – konservativ, ausgewogen, wachstumsorientiert heißt es etwa bei maxblue. Gesetzt dem Fall, man wählt hier „wachstumsorientiert“, dann bekommt man im nächsten Schritt bei maxblue angezeigt, welche Aspekte einem bei den Produkten wichtig sind: Ratings, laufende Kosten oder die jährliche historische Wertentwicklung. Allerdings sind Ratings und die historische Wertentwicklung eigentlich Schnee von gestern und haben für die Zukunft keine Aussagekraft – anders als die laufenden Kosten. Einzelne Kriterien lassen sich aber nicht komplett abwählen, sondern lediglich in eine Dreier-Reihenfolge bringen.

Schließlich erhält man Anlageklassen angezeigt und kann sich dann daraus einzelne Fonds aussuchen. Doch bei maxblue erhält man hier bei europäischen Aktienfonds u.a. unter den ersten fünf Fonds auch einen CAC40-ETF angezeigt – wer das unkritisch auswählt würde sich damit ein Länderrisiko Frankreich ins Depot holen, statt auf breitere Streuung zu setzen. Bei den Wachstumsmärkten etwa wäre ein China-Fonds ganz oben mit dabei. Diese Risiken muss man einschätzen können, um hier keinen Fehler bei der Auswahl zu machen.

Wer will, kann anschließend die zusammengestellten Fonds direkt kaufen, allerdings noch nicht voll digital, wie es bei der comdirect schon möglich ist.

Verbraucherschützer sehen in den Tools in dieser Form bislang daher vor allem digitale Verkäufer, sonst nichts. Anlegern, die schon einiges wissen, ihre eigenen Bedürfnisse gut kennen, Anregungen bei der Fondsauswahl schätzen und gerne ein wenig mit solchen Tools spielen, denen können die Robo-Advice-Tools Anregungen geben – nicht mehr und nicht weniger. Spannend wird sein, wie sich der Markt künftig entwickeln wird. Denn klar ist – der Trend geht weiter in diese Richtung.

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