Montag, 7. März 2016

China sucht seine Zukunft

"It's the economy stupid", "es geht um die Wirtschaft, Dummerchen" – für China gilt dieser Wahlkampfspruch aus den USA heute mehr denn je. Denn das Wachstumsmodell im Reich der Mitte ist an seine Grenzen gestoßen und die Suche nach neuen Modellen für die Wirtschaft überstrahlt im neuen Fünf-Jahresplan alles. Sogar die machtpolitischen Themen.

Als Werkbank der Welt agieren und mit Billiglöhnen konkurrenzfähig bleiben, von dieser Idee hat sich China schon vor einigen Jahren verabschiedet. Ein Mehr an binnenwirtschaftlichem Konsum,  Innovation und Dienstleistung soll es richten und neue Arbeitsplätze und Industrien schaffen. Doch so richtig funktioniert das neue Modell noch nicht, denn Chinas Wachstum geht zurück. Und was macht man, wenn ein Plan nicht aufgeht?

Genau das was die Regierung nun dem Volkskongress vorgestellt hat: Man passt den Plan an. Die Ziele wurden verringert, statt zweistelliger Wachstumsraten wie früher strebt China nun ein Plus von jährlich gut 6,5 Prozent an. Die Staatsschulden sollen steigen und viele Ausgabensteigerungen sollen gekürzt werden. Darunter auch die für das Militär.

Gerade letzteres zeigt, wie ernst die Führung die derzeitige Lage nimmt. Denn dass China mehr als nur eine regionale Macht werden will und dafür auch militärische Größe braucht, hat es in den vergangenen Jahren bewiesen. Doch ohne wirtschaftliche Basis ist das nicht zu realisieren – das ist auch der Regierung in Peking klar.

Doch die Probleme sind gewaltig. In den staatlichen Unternehmen gibt es Millionen unrentabler Arbeitsplätze, die nun abgebaut werden sollen. Nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik ist die Altersstruktur problematisch. Der Ausbau der Infrastruktur verschlingt  Milliarden und dabei ist nicht klar, ob innovative Unternehmen diese Strukturen dann tatsächlich erfolgreich nutzen können. China will Kapital freisetzen und anziehen – für neue zukunftsweisende Produkte.

Ob das gelingt ist aber unsicher. Unter anderem die Korruption hemmt die Entwicklung in vielen Regionen weiter, und dass die chinesische Regierung der Kraft der Märkte letztendlich doch misstraut und im Zweifel eingreift,  hat sie im vergangenen Jahr an der Börse bewiesen. Nach dem Crash wurde der Handel beschränkt und Journalisten und Banker verhaftet, die angeblich die Panik geschürt hatten. Das schafft Unsicherheiten, die Kapital nicht mag.

So ist die Krise des alten Wirtschaftsmodells auch eine Krise des chinesischen Gesellschaftsmodells. Wirtschaftliche Liberalität und politische Strenge –  das reibt sich an vielen Stellen und noch ist nicht absehbar, in welchem Bereich und dann wie welche Strömung gewinnen wird. Klar ist also nur eines: Die kommenden Jahre werden spannend in China.

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