Dienstag, 26. April 2016

Die seltsame Übernahme-Spekulation um Rhön Klinikum

Vorige Woche berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass der Hamburger Klinik-Konzern Asklepios mittelfristig die Übernahme des Konkurrenten Rhön Klinikum plane. Allerdings müsse der Preis viel tiefer sein als derzeit – angeblich unter 22 Euro je Aktie. Seltsam.

Denn derzeit kostet ein Anteilschein gut 27 Euro. Über 20 Prozent Abschlag auf den aktuellen Aktienkurs – so einen Übernahmeversuch sieht man selten. Normal wären 20 Prozent Aufschlag.

Dass Askleplios nach Rhön greifen will, ist keine Neuigkeit. Erst Ende 2015 hat der Hamburger Konzern die Beteiligung am bayerischen Konkurrenten um rund 2 % auf 18 % aufgestockt. Und im Januar hat der Finanzvorstand nochmals das Interesse an Rhön bekräftigt.

Eingestiegen war Askeplios 2012 im Zug des Übernahmekampfes um Rhön, um eine Fusion mit der Fresenius-Tochter Helios zu verhindern. Letztlich erfolglos, weil Helios schließlich den Großteil der Kliniken von Rhön abkaufte. Die "neue Rhön", auf die Askeplios nun schielt, ist damit viel kleiner als früher, aber immer noch die Nummer vier in Deutschland. Rhön konzentriert sich auf Spitzenmedizin mit den Unikliniken in Gießen und Marburg als Aushängeschilder.

 Für die Askeplios-Kliniken würde eine Übernahme tatsächlich Sinn machen. Zum einen würde der Abstand zum Branchenführer Helios deutlich verringert und zum anderen würden die Hamburger dadurch elegant eine Börsennotierung bekommen. Und die wäre hilfreich, wenn Firmengründer und Alleingesellschafter Broermann sein Imperium vererbt.

Warum aber diese seltsame Strategie? Sie kann eigentlich nur darauf abzielen, die Übernahmephantasie zu verringern und den Aktienkurs nicht zu sehr in die Höhe schießen zu lassen. Dann kann Asklepios heimlich, still und leise relativ günstig so lange weitere Rhön-Aktien zukaufen, bis der Konzern ein Übernahmeangebot abgeben muss.  Für Rhön-Anleger bedeutet das, sie sollten die Ruhe bewahren und an ihren Anteilscheinen festhalten. Irgendwann wird es ziemlich sicher eine Übernahmeprämie geben. Das kann zwar dauern - aber das Warten wird mit einer Dividendenrendite von knapp 3 % versüßt.

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