Freitag, 29. April 2016

Freitagsfrage: Warum schiesst der Ölpreis so steil nach oben?

Als vor knapp zwei Wochen in Doha die Verhandlungen der Ölproduzenten über eine Begrenzung der Förderung scheiterten, schien klar zu sein: das war es vorerst mit der Ölpreis-Herrlichkeit. Aber weit gefehlt. Nach einem kurzen Einbruch setzte der Ölpreis seinen Höhenflug ungebremst fort. Warum hat sich die Stimmung so stark aufgehellt?

Rohöl der Sorte Brent kostet aktuell mit 48 Dollar rund 75 % mehr als noch Mitte Januar. Erinnern wir uns: Damals waren die Medien voll mit Prognosen eines Ölpreissturzes auf 20 Dollar, 15 Dollar, ja sogar 10 Dollar je Barrel. Alles sprach von einer Ölflut, in der die Welt ertrinkt und die den Preis für den wichtigsten Rohstoff immer weiter nach unten drücken müsse. Der Spruch von der Ölflut war damals schon falsch. Denn das Ölangebot übertraf die Ölnachfrage nie um mehr als 1,5 % bis 2 %. Dieses Überangebot hat sich seither verringert und es wird nach den meisten Prognosen weiter zurückgehen. Denn zwei Effekte wirken:

Erstens nimmt das Angebot trotz der Produktionserhöhung Irans seit dem Sanktions-Ende sukzessive ab, weil insbesondere die US-Frackingfirmen ihre Produktion stärker als erwartet zurückfahren - um bis zu 100 000 Barrel pro Monat. Bis Jahresende wird die US-Ölförderung damit wohl um knapp eine Million Barrel niedriger liegen als ein Jahr zuvor. Aber auch andere Ölförderer lassen die Ölpumpen langsamer laufen - aus den verschiedensten Gründen: In Nigeria und in Kolumbien haben Anschläge Ölpipelines außer Betrieb gesetzt, in Venezuela hat die Dürre eine Stromknappheit hervorgerufen, die auch die Ölförderung beeinträchtigt und in anderen Staaten finden ausgiebige Wartungsarbeiten statt, die Produktionsausfälle zur Folge haben. Zudem ist vielen Akteuren klar geworden, dass die politische und militärische Situation im Mittleren Osten so brisant geworden ist, dass durchaus Unterbrechungen in der Ölförderung einkalkuliert werden müssen.

Auf der anderen Seite wächst die Ölnachfrage stärker als vorhergesagt. Das gilt vor allem für China, wo der Konjunkturrückgang zum Stillstand gekommen ist und deshalb die Ölnachfrage (siehe Blog vom 19. Januar) anzieht. Aber auch die USA verbrauchen deutlich mehr als geplant, wie der Abbau der Ölbestände und der Boom der spritfressenden Autos zeigt. Hier wirkt ganz einfach der normale Marktprozess: Fallende Preise erhöhen die Nachfrage. Das gilt im Großen und Ganzen auch in vielen anderen Ländern, wie die Renaissance der Ölheizung in Deutschland belegt.

Trotz dieser deutlichen Verbesserung der fundamentalen Lage am Ölmarkt ist aber noch keineswegs sicher, dass dies kurzfristig so bleiben muss. So hat Saudi Arabien damit gedroht, bis zu eine Million Faß pro Tag zusätzlich auf den Markt zu werfen, und auch andere große Produzenten wie Russland bauen ihre Förderung weiter aus. Das kann, zumal nach einer Ölpreishausse wie der seit Mitte Januar, immer wieder zu starken Rückschlägen führen. Zumal die spekulativen Positionen am Ölmarkt abrupt gedreht worden sind. Hedge Fonds und andere "Spieler" haben ihre Short-Positionen massiv reduziert und ihre Long-Positionen enorm ausgebaut. Das dürfte bald Gewinnmitnahmen zur Folge haben.

Längerfristig aber stehen die Zeichen klar auf höheren Ölpreisen. Denn die Investitionen in neue Projekte sind so kräftig gefallen, dass ab 2017 die Förderung noch viel stärker zurückgehen wird als jetzt schon. Die Prognosen für den durchschnittlichen Ölpreis im kommenden Jahr liegen deshalb mit durchschnittlich knapp 60 Dollar deutlich über den jetzigen Preisen. Ölaktien haben dank der Ölpreis-Hausse zwar ihren Marktwert seit dem Januar-Tief schon um insgesamt 400 Milliarden Dollar erhöhen können - aber historisch sind die Kurse immer noch attraktiv, nicht zuletzt wegen der hohen Dividendenrenditen.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog


1 Kommentar:

  1. Hätte es auch nicht für möglich gehalten das der Ölpreis diese Woche so anzieht. Vor allem weil es letzte Woche ja keine Einigung über die Fördermengen gab.

    AntwortenLöschen