Dienstag, 19. April 2016

Ist eine Verdoppelung des Sparerfreibetrags wirklich eine gute Idee?

Bayerns Finanzminister Markus Söder hat eine Verdoppelung des Sparerfreibetrags gefordert. Dadurch sollen die Bundesbürger trotz der extrem niedrigen Zinsen weiter zum Sparen animiert werden. Aber wäre das tatsächlich so ein großer Anreiz?

Seit der Einführung der Abgeltungsteuer 2009 beträgt der Sparer-Pauschbetrag, wie es korrekt heißen muss, 801 Euro pro Jahr, bei Verheirateten entsprechend 1602 Euro. Damals hatte die Regierung den Sparerfreibetrag von 750 Euro und die Werbungskostenpauschale von 51 Euro zum Sparer-Pauschbetrag zusammengefasst.

Seither sind die Zinsen dramatisch gesunken: die Durchschnittsrendite von Bundeswertpapieren ist von 3,0 % auf 0,2 % abgesackt, die Durchschnittszinsen für Spareinlagen mit bis zu 2 Jahren Befristung von 4,26 % auf 0,44 %. Eine Verdoppelung des Sparer-Pauschbetrags würde deshalb den allermeisten Spareren keinerlei Erleichterung bringen. Schließlich sind für ein Ehepaar jetzt schon Geldanlagen bis 800 000 Euro steuerfrei, wenn alles in Bundesanleihen zum Durchschnittssatz angelegt ist, und gut 360 000 Euro bei Spareinlagen.

Vorteile würde dagegen eine Verdoppelung des Pauschbetrags vor allem Aktien- und Aktienfondsanlegern bescheren, weil die Dividendeneinnahmen im Gegensatz zu den Zinsen in den letzten Jahren kräftig zugelegt haben. Eine Verdoppelung des Sparer-Pauschbetrags würde angesichts dieser Diskrepanz bei den überwiegend aktienfeindlichen Politikern und in den Medien einen Aufschrei der Empörung hervorrufen und die Feindseligkeiten gegen die "reichen und gierigen" Aktienbesitzer vermutlich noch weiter steigern.

Besser wäre es deshalb wohl, den Pauschbetrag in kleinen Schritten anzupassen. Schließlich ist er seit 2007 unverändert. Um den seitherigen Kaufkraftverlust auszugleichen, hätte er Ende 2015 bei gut 891 Euro liegen müssen, Ende dieses Jahres wären es dann wohl ziemlich genau 900 Euro. Eine Anhebung um 100 Euro auf 901 Euro ab 2017 wäre deshalb nur fair und vermutlich auch politisch gerade noch durchsetzbar.

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