Dienstag, 31. Mai 2016

Der Boom der Dividendenstars hat erst begonnen ...

... das meint zumindest der amerikanische Börsenguru Jeremy Siegel. Der Finanzprofessor von der Pennsylvania University glaubt, dass Aktien für lange Zeit zur wichtigsten Einkommensquelle für Anleger werden dürften, da Zinsinstrumente zu geringe laufende Erträge abwerfen.

In den USA haben die Aussagen Siegels, der mit langfristigen statistischen Untersuchungen der Anlagemärkte berühmt geworden ist, heftige Diskussionen ausgelöst. Börsenpessimisten verweisen darauf, dass dividendenstarke Aktien und Dividenden-Fonds ja schon seit über einem halben Jahrzehnt massiv gefragt sind und angesichts bald steigender Notenbankzinsen kaum noch höhere Zuflüsse verzeichnen werden.

Aber Siegel lässt sich von der Zinsdiskussion nicht beirren. In einem Interview mit dem TV-Sender CNBC hält er es für möglich, dass es zu Verhältnissen wie in den 1950er und 1960er Jahren kommen werde, als Anleger Aktien mehr wegen ihrer laufenden Erträge – vor allem Dividenden - als ihrer Kursgewinne gekauft hatten. 

Der Finanzprofessor hält Dividendentitel in drei von vier möglichen Szenarien für die allererste Wahl: Wenn die Zinsen niedrig bleiben, sind Aktien wegen ihrer deutlich höheren Dividendenrenditen attraktiv, wenn die Kreditkosten aber wegen der robusten Konjunktur steigen, klettern auch die Unternehmensgewinne und mit ihnen die Dividenden, und wenn drittens die Inflation zulegt, werden Aktien von ihrer gewohnte Rolle als Inflationsschutz profitieren. Nur falls die Inflation steigt, ohne dass sich gleichzeitig die Weltkonjunktur verbessert, also Stagflation herrscht, sieht Siegel Probleme für Aktien voraus. Allerdings hält er dieses vierte Szenario für wenig wahrscheinlich. 

Siegels Prognose eines „big shift“ hin zu dividendenstarken Aktien hat durchaus Charme. Denn bislang haben Großanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds ihre laufenden Erträge vorwiegend aus Anleihen bezogen, die sie noch in Zeiten höherer Zinsen gekauft hatten. Aber da immer mehr dieser Bonds zurückgezahlt werden, versiegt diese Zinsquelle zusehends. 

Deshalb müssen sich die Investoren fragen, ob sie die frei werdenden Gelder nicht lieber in Aktien mit durchschnittlich drei Prozent Dividendenrendite anlegen sollen als in erstklassige langlaufende Anleihen mit null bis zwei Prozent Rendite. Dass unter diesem Aspekt ein wachsender Prozentsatz des Kapitals in Dividendentitel fließen wird, wäre logisch. Und das dürfte in der Tat die Nachfrage insgesamt nach Aktien wieder beleben und trotz der baldigen US-Zinserhöhung, der müden Weltkonjunktur und vielen politischen Problemen die Börsen nach und nach weiter in die Höhe schieben.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen