Dienstag, 10. Mai 2016

Jetzt bestimmt der Dollar die Richtung von DAX + Co.

Als der US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Yen deutlich an Boden verlor,  knickten auch die Kurse von DAX, EuroStoxx und Nikkei gehörig ein. Erst seitdem der Abwertungsdruck auf den Dollar nachgelassen hat, geht es wieder aufwärts mit den Aktienkursen.

Der Kursrückfall der letzten April- und der ersten Mai-Woche um rund 7 Prozent beim DAX wurde größtenteils vom Dollar-Rutsch von 1,12 auf über 1,16 Euro ausgelöst. Die kräftige Aktienkorrektur ging erst zu Ende, als der Greenback wieder die Richtung wechselte und inzwischen gut die Hälfte seiner Verluste wettmachte. Parallel dazu hat auch Japans Nikkei-Index, der zuvor richtig kräftig unter die Räder geraten war, nach oben gedreht. Das zeigt: Der Dollar ist jetzt das Objekt, auf das die Anleger am meisten schauen - er hat damit China und den Ölpreis, die zu Jahresbeginn dominierend waren, als Kursmacher Nr. 1 abgelöst.

Warum aber hat der Dollar zunächst kräftig ab- und nun wieder leicht aufgewertet? Das lag an den schwächer werdenden US-Konjunkturdaten, die den zweiten Zinserhöhungsschritt der Fed immer weiter hinauszögern. Nach den schlechten Arbeitsmarktdaten vom April steht jetzt auch die ursprünglich für Juni erwartete Zinsanhebung auf arg wackeligen Beinen. Die Erwartungen gehen zunehmend dahin, dass die Fed 2016 höchstens noch eine Zinsanhebung beschließen wird und nicht, wie bisher angenommen, zwei. Das bedeutet, dass der Renditevorsprung von Dollar-Zinsanlagen gegenüber Euro- und Yen-Investments bei weitem nicht so schnell und stark zunimmt, wie noch vor kurzem erwartet worden war. Und das hat den Dollarkurs gedrückt.

Diese Entwicklung hat erst ein Machtwort aus Japan gestoppt. Die Notenbankspitze hat in den letzten Tagen zweimal klargemacht, dass sie bei einer weiteren Yen-Aufwertung intervenieren, sprich Yen gegen Dollar verkaufen werde. Derartige Warnungen lassen die Spekulanten üblicherweise vorsichtiger werden, so auch diesmal. Der Yen hat binnen Jahresfrist um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet, der Euro nur um knapp 2 %, für Japans fragile Wirtschaft wäre eine weitere Dollar-Schwäche deshalb höchst gefährlich. Und deshalb hat die Notenbank verbal interveniert.

Aktienanleger können deshalb nur hoffen, dass der Sinkflug des Dollar, der mit Unterbrechungen seit vorigem November im Gang ist, nicht nur kurzfristig aufgehalten werden kann, sondern auch längerfristig. Denn das käme den Unternehmensgewinnen im Euroraum und in Japan zugute - und damit auch den Aktienkursen.

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