Montag, 6. Juni 2016

China übernimmt deutsche Firmen – ja und?

Erst Kuka, jetzt ein Flughafen nahe Frankfurt. Immer öfter werden deutsche Firmen an chinesische Unternehmen verkauft. Wirtschaftsminister Gabriel will das zumindest im Fall des Industrieroboterhersteller Kuka verhindern. Mit Recht?

Kuka ist sicher so etwas wie das Herzstück der deutschen Automobilindustrie. Kaum einer der namhaften Hersteller der deutschen Vorzeigebranche kommt in seinen Fertigungsstraßen ohne die Roboter von Kuka aus. Und natürlich gibt es eine Menge Informationen, die der Maschinenbauer von seinen Kunden erhalten muss, damit er gute Roboter für sie bauen kann.

Die Ängste, die SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel umtreiben, gehen daher etwa so: China schnappt sich Kuka und damit all die wertvollen Informationen, die den Know-how-Vorsprung der deutschen Automobilindustrie ausmachen. Weil China in Sachen Industriespionage und Copyright in der Vergangenheit, freundlich formuliert, ein anderes Verständnis gelebt hat als wir, droht in Augen Gabriels wohl so etwas wie das Ende des technischen Vorsprungs der deutschen Autoindustrie. Das gilt es zu natürlich zu verhindern – und Gabriel sucht angeblich nach einem alternativen Käufer, einem Retter der deutschen Auto-Standorts sozusagen.

Siemens und andere haben angeblich abgewunken, und auch der Chef von Kuka und zwei Großaktionäre finden nichts dabei, dass eine chinesische Firma einsteigen will. Und wichtiger noch: Auch die Autoindustrie selbst schlägt keinen Alarm – geschweige denn, dass die sich zusammentut und selber ein Gebot für den angeblichen Träger geheimer Informationen abgibt. Das müsste finanziell locker zu stemmen sein, trotz Abgasaffäre und andere Belastungen für die Branche.

Vielleicht ist es also doch eher Panikmache oder, schlimmer noch, national geprägte Wirtschaftspolitik des zuständigen Ministers – im Globalisierungsgewinner-Land Nummer eins der Welt? Dann sollte sich Gabriel vielleicht damit anfreunden, dass ausländische Investitionen auch etwas Gutes sein können.

Lernen kann er das vielleicht anhand des jüngsten chinesischen Gebots für eine deutsche Firma: Die chinesische Shanghai Yiqian Trading kauft den kleinen Hunsrück-Flughafen Hahn. Das spült dem bisherigen Besitzer – dem Land Rheinland-Pfalz – nicht nur direkt ein paar Millionen in die Haushaltskasse. Es entlastet das Land auch von weiteren Zuschüssen, die bisher immer wieder einmal fällig waren. Denn ein tragfähiges Geschäftsmodell für den ehemaligen Militärflughafen haben die bisherigen Eigentümer nicht gefunden. Vielleicht gelingt das jetzt den Chinesen, und wir können es anderswo nachmachen? Das wäre dann ein umgekehrter Know-how-Transfer – den gibt es nämlich auch.

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