Dienstag, 21. Juni 2016

Drei Gründe, warum der Börsensommer sehr schön werden könnte

Auch wenn es derzeit so aussieht, als würden die Aktienmärkte nur noch nach der Pfeife der Brexit-Abstimmungserwartungen pfeifen – es gibt auch ein Leben nach dem britischen Referendum. Deshalb schadet es nicht, ein paar längerfristige Indikatoren ins Blickfeld zu rücken. Und da fallen drei Punkte auf, die für einen schönen Börsensommer sorgen dürften.

Der gewichtigste Grund ist die übergroße Vorsicht der Profianleger. Die Bank of America hat in ihren monatlichen Studien herausgefunden, dass Fondsmanager weltweit den höchsten Anteil an Barmitteln seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 vorhalten – 5,7 % waren es im Juni nach bereits historisch hohen 5,5 % im Mai. Nicht einmal zu Zeiten der Finanzkrise 2008 und der Griechenland-Tragödie 2011/12 waren die Geldverwalter so vorsichtig. Die Cashbestände werden aber zum Großteil zurück in Aktien fließen, sobald die Unsicherheit nur ein wenig weicht. Sowohl ab 2009 als auch ab 2012 strömte nach der Baranteilsspitze das Geld massiv in Aktien und sorgte für eine jeweils mehrjährige steile Börsenhausse.

Grund zwei ist die US-Notenbank. Die Fed wird ihren Leitzins wohl viel weniger oft und stark anheben als bisher erwartet worden war. Schließlich hat sogar der bisherige größte "Falke", der Fed-Präsident von Saint Louis, James Bullard, seine Prognosen für die Höhe der Zinsen radikal gestutzt. Er rechnet jetzt nur noch mit einer Zinserhöhung bis 2018. Wenn aber schon der Anführer der Vertreter einen straffen Geldpolitik zu so einer zahmen Taube wird, dann werden die anderen Fed-Mitglieder auch nicht gerade nach Zinserhöhungen lechzen. Das bedeutet, dass vermutlich mittelfristig viel von der großen Zinsangst und damit der Unsicherheit an den Märkten weichen wird, und das dürfte die Kurse anschieben.

Der dritte Grund sind die Rohstoffmärkte. Sie gelten gemeinhin als gute Konjunkturindikatoren - und sie haben in den letzten Monaten klar auf Aufschwung geschaltet. Das gilt nicht nur für Rohöl sondern auch für die meisten Industrierohstoffe. Allein seit April sind wichtige Rohstoffindizes um rund 20 % nach oben geschnellt.

Was jetzt noch fehlt, sind positive Konjunktursignale. Solange die Weltwirtschaft nur vor sich hindümpelt, werden die Investoren relativ vorsichtig bleiben. Deshalb gilt es jetzt, die wichtigsten Frühindikatoren im Auge zu behalten. Bereits am Donnerstag – also am Tag der Brexit-Abstimmung – werden viele wichtige Daten veröffentlicht, vor allem die Einkaufsmanagerindizes für die USA, die Eurozone, Deutschland und Japan. Sie werden aufzeigen, ob die Konjunktur endlich etwas mehr Schwung erhält.


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