Freitag, 3. Juni 2016

Freitagsfrage: Wie würde die EU auf einen Brexit reagieren?

Jetzt sind es nur noch ein paar Wochen und Großbritanniens Premier Cameron legt sich mächtig ins Zeug. Denn ob die Briten bei der anstehenden Volksabstimmung für oder gegen den Verbleib in der EU stimmen werden, ist nach dem Stand der Umfragen völlig offen. Welche wirtschaftlichen Folgen hätte der Austritt eigentlich für die Insel und den Kontinent? Das hinge auch von der Reaktion der EU ab.

Cameron warnt vor den Folgen eines EU-Austritts, das Wort der Brexit Rezession geht um. Doch seine Kontrahenten wiegeln ab: Man werde weiter Handel treiben mit Europa, eigentlich werde sich gar nichts ändern – außer, dass man die lästige Einmischung aus Brüssel abschüttelt und nichts mehr zahlen muss.

Schön wär's, aber ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Denn mehr als 40 Prozent der  Exporte Großbritanniens gehen in die EU und die dürften erst einmal nicht weiter zollfrei eingeführt werden. Umgekehrt importiert die Insel nur acht Prozent aus der EU. Wer hier mehr leiden würde, ist schnell klar.

Und langfristig würde der Standort Großbritannien für viele außereuropäische Unternehmen sehr an Attraktivität verlieren. Denn bisher war es vor allem für US-Amerikaner oder Unternehmen aus dem ehemaligen Commonwealth oft keine Frage, wo in der EU man sich ansiedeln will. Auch für die wichtige Finanzindustrie gelten ähnliche Argumente: In London daheim, in ganz Europa präsent.

Das würde im Ex-EU Land Großbritannien nur dann weiter funktionieren, wenn es ein Abkommen mit der EU geben würde, das weitgehenden Zutritt zum Binnenmarkt garantiert. Norwegen und die Schweiz haben solche Verträge abgeschlossen. Dazu bräuchte es allerdings erstens jahre-, vielleicht jahrzehntelange Verhandlungen, die die britische Wirtschaft in permanenter Unsicherheit halten würden. Und zweitens: Das Entgegenkommen der EU.

Genau das, so lassen wichtige EU Politiker wie Jean-Claude Juncker jetzt durchblicken werde es aber nicht geben: "Der Deserteur wird nicht mit offenen Armen empfangen", sagte er nun. Langfristig wird ein solcher Satz zwar sicher relativiert. Auch die EU kann auf Dauer kein Interesse an einem feindseligen und wirtschaftlich geschwächten Großbritannien haben. Doch eine ablehnende Reaktion auf Verhandlungswünsche der Briten ist in den ersten Jahren nach dem Brexit erst einmal wahrscheinlich. Und das würde eben doch wirklich spürbare Folgen für die Wirtschaft auf der Insel haben.

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