Donnerstag, 23. Juni 2016

Tesla unter Strom

Die neueste Idee von Elon Musk gefällt den Tesla-Aktionären offensichtlich nicht: Tesla will für 2,8 Milliarden Dollar den Solaranlagenbetreiber SolarCity kaufen. Die Tesla-Aktie reagierte mit gut zehn Prozent Verlust, allein damit wurde mehr Marktkapitalisierung vernichtet als die Übernahme wert ist. Die Investoren haben ihre Gründe zu verkaufen.

Die Vision von Musk ist klar: Solarenergie zu Hause generieren, speichern und das Auto laden. Was man dafür benötigt, will er alles in einem Unternehmen bündeln. Er macht den Aktionären Hoffnung, dass Tesla dadurch das Potenzial hat, eine Marktkapitalisierung im Billionen-Bereich zu erreichen. Große Visionen sind die Anleger von Musk gewohnt. In der Realität dauert aber vieles oft etwas länger als erwartet.

Das letzte Wort, meint Musk, hätten natürlich die Investoren. Größter Aktionär der beiden Unternehmen ist Musk selbst: Er besitzt jeweils gut ein Fünftel der Aktien. Die Firmen sind eng miteinander verbunden, Musk ist Aufsichtsrat bei SolarCity, Vorstandschef ist sein Cousin Lyndon Rive.

Beide Firmen arbeiten bereits in mehreren Bereichen zusammen: Tesla liefert zum Beispiel die Batterien für Installationen des Solaranlagenherstellers, während SolarCity wiederum die Solarzellen für die Ladestationen produziert. Beide Firmen forschen auch an der Speicherung von Energie, und Tesla baut eine Gigafabrik in Nevada, um Batterien für Privathaushalte und Industrie herzustellen.

Die Investoren beunruhigt zum einen, dass durch die Ausgabe von neuen Aktien, die für die Übernahme erforderlich sind, ihr Anteil an Tesla sinkt. Bereits im Mai hatte Tesla eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um die Produktion für das neue und viel gefragte Model 3 zu finanzieren. Zum anderen, und das ist entscheidend, stellt sich die Frage, ob Tesla mit SolarCity gemeinsam erfolgreicher sein und die Gewinnzone schneller erreichen kann als ohne.

Für den Elektrofahrzeughersteller sind Batterie und Steckdose nun mal Tank und Zapfsäule. Zwar besitzen die klassischen Automobilkonzerne üblicherweise auch keine Raffinerien oder sind in der Ölproduktion aktiv, aber Musk ist bekannt dafür, neue Wege zu gehen. Er agiert anders, so hat er auch kein Händlernetz aufgebaut, sondern seinen eigenen Vertrieb für Tesla-Fahrzeuge. Da passt auch die Solarzelle ins Konzept, die man Tesla-Kunden neben dem Auto gleich mitverkaufen kann.

Die Zweifel, dass Tesla mit SolarCity an der Seite auch nicht schneller profitabel wird, sind berechtigt. Doch die Strategie hat Zukunft, wenn auch sehr langfristig. Anleger brauchen daher gute Nerven und viel Geduld.

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