Dienstag, 26. Juli 2016

Deutsche Bank, Leoni, K+S - wie Anleger von Leerverkäufen profitieren können

So mancher Anleger reibt sich verwundert die Augen, wenn selbst Aktien großer Unternehmen binnen weniger Tage massiv an Wert verlieren. So wie das in jüngster Zeit beispielsweise mit Deutsche Bank, Leoni und K+S passiert ist. Eine wichtige Rolle spielen oft Leerverkäufer, die mit hohen Beträgen auf fallende Kurse wetten und dadurch die Kurse viel tiefer abstürzen lassen, als es fundamental angebracht erscheint. Mutige Anleger können davon profitieren, indem sie  Schnäppchenpreise zu Käufen nutzen.

Als der berühmt-berüchtigte Spekulant George Soros mit seinem Hedge-Fonds öffentlich verkündete, gegen die Deutsche Bank zu wetten und 100 Millionen Euro für Leerverkäufe einzusetzen, brachte das die Aktie des angeschlagenen Geldhauses zusätzlich unter Druck. Auch zuvor schon hatten vor allem Hedge-Fonds schlechte Zahlen und Sorgen vor den Folgen des Brexit und der italienischen Bankenkrise zum Anlass genommen, die Aktie  zu "shorten". Mitte Juli machten die Short-Positionen rund 4,5 % aller Deutsche-Bank-Aktien aus – und der Kurs stürzte nach der Brexit-Entscheidung um rund ein Viertel auf  knapp über 11 Euro ab.

Seither haben die ersten Spekulanten ihre Positionen abgebaut, so dass "nur" noch knapp drei Prozent leerverkauft sind – und der Kurs hat prompt fast die Hälfte der Verluste wieder wettgemacht. Denn irgendwann müssen sich die Leerverkäufer mit den Aktien, die sie verkauft haben, ohne sie selbst zu besitzen, wieder eindecken, sie also zurückkaufen. Und das bewirkt dann eine gegenläufige Kursbewegung, weil das die Nachfrage nach der Aktie in kurzer Zeit deutlich steigert. Bei der Deutschen Bank wird es jetzt besonders spannend, weil morgen die Halbjahreszahlen und am Freitag die Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests veröffentlicht werden.

Überhaupt sind deutsche Aktien bei Hedge-Fonds beliebte Objekte für Leerverkäufe. Besonders hoch ist die Quote unter anderem bei K+S, wo der Verfall der Kalipreise und schwache Zahlen die Hedge-Fonds auf den Plan gerufen haben, sowie bei Heideldruck, Lufthansa, Salzgitter, Ströer und Leoni.

Gerade die Aktie des Autozulieferers Leoni ist ein Lehrbeispiel für die Effekte der Leerverkäufer. Eine Gewinnwarnung hatte die Anleger geschockt, und da Hedge-Fonds zusätzlich zum Verkaufsdruck massiv gegen Leoni gewettet haben, rutschte die Aktie innerhalb von zwei Wochen um ein Viertel ab. Das hielten viele Anleger für übertrieben und fingen an zu kaufen. Das hat die Aktie angeschoben. Die Spekulanten mussten darauf ihre Positionen teilweise glattstellen, und dadurch ist der Kurs innerhalb von gut zwei Wochen um mehr als ein Drittel gestiegen und hat das Niveau vor der Gewinnwarnung deutlich überschritten. Denn auf dem tiefen Kursniveau griffen nicht nur Langfristanleger zu. Auch die Phantasie auf eine mögliche Übernahme wurde geweckt und die Spekulation zusätzlich angeheizt.

Bei Aktien, die massiv leerverkauft werden, lassen sich also Papiere zu Kursen abfischen, wie sie ohne die Spekulationswelle der Hedge-Fonds wohl nicht zustande kommen würden. Allerdings müssen Anleger Geduld haben und abwarten, bis die Netto-Leerverkaufspositionen zu fallen beginnen. Das ist ein Zeichen dafür, dass den Hedge-Fonds die Spekulation zu heiß wird. Die Angaben sind im Bundesanzeiger abrufbar.

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Kommentare:

  1. Hallo,
    irgendwas stimmt nicht mit dem Link zum Bundesanzeiger.

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    1. Danke für den Hinweis. Jetzt müsste es funktionieren.

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