Dienstag, 19. Juli 2016

Ja so was, die Deutschen kaufen Aktien

Wie es aussieht, haben die Privatanleger im ersten Vierteljahr 2016 ein gutes Händchen bewiesen. Sie haben den Kurssturz zu Jahresbeginn genutzt und so massiv Aktien ins Depot gelegt wie schon lange nicht mehr. Entdecken die Deutschen etwa die Aktie neu?

9,8 Milliarden Euro haben die Bundesbürger von Januar bis März in Dividendentitel investiert, davon den Großteil in deutsche Aktien mit 8,1 Milliarden. In ausländische Titel flossen 1,7 Milliarden, wie die Bundesbank berechnet hat. Das Übergewicht der deutschen Aktien schreiben die Währungshüter neben dem üblichen "home-bias", also der Vorliebe für heimische Unternehmen, auch der immer noch vorhandenen Risikoscheu zu, da diese Aktien nun einmal bekannter sind und damit als sicherer gelten. Da der DAX in den ersten Monaten des Jahres besonders stark unter die Räder geraten ist, war das zusätzlich aber noch eine ertragreiche Entscheidung. Seit dem Tief hat er sich um 15 % erholt.

Damit haben die Anleger allein in den ersten drei Monaten fast so viele deutsche Aktien geordert wie in den Jahren 2014 und 2015 zusammen, als es in 24 Monaten 8,7 Milliarden waren. Die Käufe ausländischer Aktien beliefen sich in der Zeit auf 11,4 Milliarden Euro. 2013 hatte es sogar noch Nettoverkäufe von 5,5 Milliarden Euro bei deutschen Aktien gegeben.

Die knapp zehn Milliarden Euro, die Anleger im ersten Quartal in heimische und ausländische Aktien investiert haben, sind zwar viel im Vergleich zu den letzten Jahren – aber gemessen an den 59 Milliarden, die Sparer neu auf die hohe Kante gelegt haben, doch nur gut 16 %. Über die Hälfte der Neuanlagen floss in Versicherungen und Pensionssysteme, während das Interesse an Bankeinlagen angesichts der Nullzinsen spürbar nachließ und mit acht Milliarden Euro sogar geringer ausfiel als die Aktienkäufe.

Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Anleger im ersten Quartal nicht nur Schnäppchenjäger waren, sondern die Aktie als langfristig ertragreichste Alternative zu ihren renditearmen Bankeinlagen und Versicherungen wieder entdeckt haben. Und dass sie sich von den hektischen Börsenschwankungen, die uns vermutlich noch länger begleiten werden, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Denn trotz der Käufe machen Aktien immer noch erst fünf Prozent des gesamten Geldvermögens der Deutschen aus.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen