Dienstag, 5. Juli 2016

Viel Gegenwind für die Tesla-Aktie

Beim Elektroauto-Pionier Tesla-Motors läuft es zur Zeit alles andere als rund. Der tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Tesla ist dabei wahrscheinlich noch das kleinste Problem. Trotzdem hält sich die Aktie erstaunlich gut.

Der Kurs liegt zwar fast ein Drittel unter dem Rekordhoch – aber immer noch um 50 % höher als erst im Februar dieses Jahres. Dabei liefert Konzernchef Elon Musk seit Wochen fast nur noch schlechte Nachrichten ab. Das jüngste Beispiel ist die meilenweite Verfehlung der eigenen Absatzerwartungen im zweiten Quartal um 15 %. Das Ziel, in diesem Jahr 80 000 bis 90 000 Teslas vom Band rollen zu lassen, wird damit voraussichtlich klar verfehlt. Die "Hoffnungen" richten sich jetzt eher auf mindestens 70 000 Fahrzeuge. Damit würde Tesla Motors weniger als ein Promill des weltweiten Autoabsatzes von über 76 Millionen erreichen. Und zu den jährlich 500 000 Fahrzeugen, die Musk schon 2018 herstellen will, ist der Weg schier unendlich weit.

Dafür ist die Aktie aber stolz bewertet: Mit einem Börsenwert von knapp 26 Milliarden Euro kostet das junge Unternehmen mehr als adidas, der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt. Nicht gerade begeistert aufgenommen wurde auch das Übernehmeangebot von Tesla an die Solarfabrik SolarCity für 2,8 Milliarden Dollar - zumal Musk an dieser Firma maßgeblich beteiligt ist. Klar, dass Tesla deshalb zusätzlich viel Geld braucht. Dabei verbrennt der Pionier jetzt schon im normalen Geschäft massiv Cash – laut Barclays-Bank werden es 2016 rund 1,8 Milliarden Dollar sein. Allerdings entstand diese Prognose vor den schwachen Quartalszahlen. Es dürfte also durchaus ein bisschen mehr sein.

Das bedeutet, dass Tesla Motors fortfahren muss, jedes Jahr von seinen Aktionären Kapitalerhöhungen einzufordern oder Wandelobligationen auszugeben. Seit 2010 gab es kein Jahr, in dem Musk nicht mindestens eine dieser beiden Quellen angezapft hat – und das wird einen enormen Verwässerungseffekt für die Aktie mit sich bringen.

Das Konzept Musks überzeugt dennoch viele Anleger. Immer mehr Analysten befürchten jedoch, dass er sich übernimmt, indem er nicht nur wie bisher Elektroauto- und Batteriepionier sein will, sondern auch noch Solarpionier. Das alles in einer noch jungen Firma unter einen Hut zu bringen, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Zumal ja bei seinen Autos die Qualität häufig zu wünschen übrig lässt und hohe Garantiekosten erfordert.

Nimmt man noch dazu, dass die Konkurrenz der Autohersteller nicht schläft, sondern mit riesigem Kapitalaufwand in E-Mobilität investiert, wird klar, dass die Träume der Tesla-Aktionäre nicht so leicht aufgehen werden. Ebenso wenig wie die von Elon Musk, der nach dem Übernahmeangebot für SolarCity vorausgesagt hat, dass Tesla damit die Chance hat, als erstes Unternehmen weltweit die Schallmauer von einer Billion Dollar Börsenwert zu erreichen.

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