Dienstag, 25. Oktober 2016

Nach dem Jahreshoch - wie geht es beim DAX weiter?

Gestern hat der DAX mit 10 820 Punkten ein neues Jahreshoch erreicht. Macht das den Weg für den deutschen Aktien-Leitindex endgültig frei für eine ansehnliche Jahresend-Hausse?

Nach dem Brexit-Schock vom Juni/Juli, als der DAX in einer rasanten Talfahrt die 9000-Punkte-Marke ins Visier nahm, hätte wohl kaum jemand geglaubt, dass sich die die Aktienkurse so schnell und stark erholen könnten. Aber die Ängste erwiesen sich als übertrieben - und die Wirtschaftsdaten und die Unternehmensgewinne entwickelten sich weitaus besser als damals befürchtet.

In den letzten Wochen haben sich die Zeichen für eine konjunkturelle Erholung sogar noch weiter verbessert - und das hat den Kursen den nötigen Auftrieb gegeben. Das gilt vor allem für Deutschland. Das ifo-Geschäftsklima ist im September stark und nun im Oktober nochmals deutlich gestiegen und signalisiert vor allem mit den kräftig verbesserten Erwartungen einen guten Start ins Konjunkturjahr 2017. Auch der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts für Oktober ist merklich gestiegen, angetrieben vor allem von der Industrie, die den höchsten Stand der letzten zweieinhalb Jahre erreichte. Das ist zu einem guten Teil dem starken Dollar zu verdanken, der die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Unternehmen verbessert hat - insbesondere im Asien- und Amerikageschäft. Und gerade in diese Regionen ist der Export deutlich angesprungen.

Das liegt nicht nur am positiven Währungseinfluß, sondern auch daran, dass in den USA, China, Japan und anderen wichtigen Absatzmärkten die Konjunktur im Oktober ebenfalls einen Zahn zugelegt hat. Es sieht also so aus, als könnte die weltweite Wachstumsdelle bald ausgebügelt werden.

Viel zur wachsenden Zuversicht der Anleger beigetragen haben die bisherigen Ergebnisse der Berichtssaison für das dritte Quartal 2016. In den USA, wo rund ein Viertel der Unternehmen aus dem S&P-500-Index ihre Ergebnisse bereits präsentiert haben, konnten 75 % die Markterwartungen übertreffen - normal sind seit Beginn des Jahrtausends 53 %. Auch in Europa, wo die Berichtssaison noch nicht so weit ist, überraschen bislang die meisten Firmen positiv. Das wird dazu führen, dass die USA ihre Gewinnrezession - also die Phase sinkender Unternehmensgewinne - bereits im dritten und nicht erst, wie erwartet worden war, im vierten Quartal hinter sich lassen dürfte. Statt ein bis zwei Prozent Verlusten sind nun ein bis zwei Prozent höhere Gewinne als im dritten Vierteljahr 2015 angesagt. Für Europa gilt ähnliches.

Und es wird noch besser: Die guten Ergebnisse haben zu einer breiten Aufwärtsrevision der Gewinnprognosen für 2017 geführt - hier werden nun in den USA und Europa Zuwächse im deutlich zweistelligen Bereich erwartet. Und das dürfte den Aktienkursen weltweit einen neuen Schub geben. Dass der DAX dabei ganz prominent mitmischen wird, dafür sprechen vor allem die anziehende Weltkonjunktur und der anhaltend starke Dollar. Beides kommt den Industrieunternehmen des Exportweltmeisters Deutschland besonders zugute. Die Jahresendrallye kann also kommen. Mit den zyklischen Aktien im Mittelpunkt.

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