Montag, 17. Oktober 2016

Nach Kuka und Aixtron: Gabriel will Übernahmen prüfen können

Seit noch nicht mal einer Woche steht es fest: der Herzogenrather Chip-Anlagenbauer Aixtron wird chinesisch. Mehr als 60 Prozent der Kleinanleger haben das Übernahmeangebot des Investores Zhendong Lui angenommen. Im Wirtschaftsministerium sieht man das mit Sorge und will solche Geschäfte künftig verhindern können.

Denn nach dem Augsburger Roboterhersteller Kuka geht mit Aixtron ein weiteres Hightech-Unternehmen an Eigentümer aus dem Reich der Mitte, dessen Know How begehrt ist. Im Fall von Aixtron hat die Übernahme zudem einen faden Beigeschmack: Das Unternehmen rutschte in die Krise, nachdem der wichtige chinesische Kunde San'an Optoelectronics seine Aufträge für das Unternehmen gekürzt hatte. Und nun kam heraus, dass San'an die Übernahme indirekt mitfinanziert.

Das klingt nach Manipulation und genau in solchen Fällen will Wirtschaftminister Sigmar Gabriel wohl künftig eingreifen können. Nach Informationen der Welt wurde im Ministerium ein Papier erarbeitet, das ein Verbot von Übernahmen von nicht-EU-Ausländern durch europäische Behörden oder nationale Regierungen in bestimmten Fällen ermöglichen soll. Etwa wenn ein ausländischer Staat durch Subventionen oder Unternehmensbeteiligung hinter dem Angebot steht.

Für Aktionäre ist das zunächst einmal eine Einschränkung ihrer Eigentumsrechte, für die deutsche Wirtschaft ein zweischneidiges Schwert. Einerseit kann im Einzelfall eventuell tatsächlich eine Abwanderung von Know How und Arbeitsplätzen verhindert werden. Auf der anderen Seite war Protektionismus bisher auf Dauer selten erfolgreich. Deutsche Unternehmen müssen ins Ausland expandieren können. Und das geht nicht nur mit eigenen Niederlassungen und der Übernahme ausländischer Firmen, sondern ab und zu auch dadurch, dass ein ausländischer Investor ins Boot kommt.

Ein Hoffnung, die nach Kuka nun auch Aixtron hebt. Zumindest klingen die Statements zur der jeweiligen Übernahme fast gleich: Beide Unternehmen hoffen auf einen besseren Zugang zum chinesischen Markt und mehr Kapital für Forschung und Entwicklung. Und in beiden Fällen versprachen die Chinesen, sich aus dem operativen Geschäft herauszuhalten. Bisher gibt es hierfür allerdings noch kein gelungenes Vorbild aus der Vergangenheit.  Es bleibt also spannend.


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