Donnerstag, 3. November 2016

Tagesgeld – Kontoführungsgebühr kommt

Es waren einmal.... Tagesgeldkonten mit attraktiven Verzinsungen und ohne Kontoführungsgebühren. Mit den attraktiven Zinsen ist es angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schon länger nicht mehr weit her, doch nun führen auch erste Banken Kontoführungsgebühren bei Tagesgeldkonten ein. Das Beispiel könnte Schule machen.

Seit Mitte März 2016 liegen die EZB-Zinssätze bekanntlich auf historisch niedrigem Niveau: 0,0 Prozent beträgt der Hauptrefinanzierungssatz. Und Banken, die kurzfristig nicht benötigte Gelder bei der EZB parken, werden mit Minuszinsen von 0,4 Prozent bestraft. Kein Wunder, dass allenfalls Toptagesgeldangebot bei Onlinebanken auf Zinssätze um die 0,6 bis ein Prozent kommen, das aber in aller Regel nur noch für Neukunden, die man längerfristig an sich binden und ihnen dann andere Produkte schmackhaft machen möchte - Crossselling heißt der Fachbegriff dafür. So betrachtet ist der Tagesgeldzins nichts anderes als eine Marketingausgabe. Für alle anderen gibt es deutlich weniger Zinsen.

Doch noch immer werden Tagesgeldkonten üblicherweise kostenlos geführt. Nicht mehr so etwa bei der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien. Das dort offerierte VR FlexGeld kostet bei einem Durchschnittsguthaben bis 25 000 Euro schon eine monatliche Kontoführungsgebühr von fünf Euro, bei Guthaben bis 50 000 Euro sind es zehn Euro, darüber 25 Euro. Und wer eine halbe Million dort parken möchte, zahlt 50 Euro. Und das bei Guthabenzinsen von 0,1 Prozent. Wer weniger als 6000 Euro dort angelegt hat, zahlt also monatlich mehr, als er aufs Jahr gesehen an Zinsen verdient. Da dann doch besser dort ein Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist abschließen, das bringt noch 0,05 Prozent, monatlich kann man bis zu 2000 Euro abheben ohne zu kündigen, und die Nutzung kostet nichts.

Ob das Beispiel der besagten Volksbank Schule macht und weitere Nachahmer findet, ist noch offen. Fakt ist, dass Anleger, die immer noch meinen, ein Tagesgeldkonto sei eine gute Langfristanlage statt es als flexiblen Geldparkplatz für den Notgroschen von drei bis fünf Monatsgehältern zu nutzen, spätestens jetzt umdenken und ihre Geldanlage anders gestalten sollten. Auf mittlere bis langfristige Sicht führt an flexibel zu handhabenden Fonds und ETFs kaum eine Weg vorbei, wenn man Renditen jenseits der Inflationsrate erzielen möchte.

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