Montag, 12. Dezember 2016

Die türkische Wirtschaft rutscht in die Krise

Die Türkei kommt nicht zur Ruhe. Nach dem jüngsten Anschlag in Istanbul scheint sich das Rad aus Terror kurdischer und islamistischer Gruppen und Repressionen der Regierung noch einmal schneller zu drehen. Und auch die Wirtschaft kommt zunehmend unter Druck. Schlechte Rahmenbedingungen für Investoren in der Türkei.

Dass die türkische Wirtschaft unter den politisches Gegebenheiten leiden würde, waren sich alle einig. Wie stark hatte aber kaum jemand auf dem Zettel. Statt der vorhergesagten 0,5 Prozent lag das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 1,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau – das ist eine ausgewachsene Wirtschaftskrise.

Kein Wunder, Terror aber auch die Gegenschläge der Politik wie etwa die Repressionen gegen Oppositionspolitiker und Journalisten machen das Land als Urlaubsziel unattraktiv und schwächen die wichtige Tourismusbranche. Die massenhaften Entlassungen von Lehrern, Professoren und Verwaltungsangestellten bremsen die Wirtschaft.

Wie die Annäherung an die EU weitergeht, oder auch nur welchen weiteren Kurs die Türkei steuern will, ist unklar. Investoren verschieben Projekte und ziehen teilweise Gelder ab. Denn der Kurs von Präsident Erdogan, der sich jetzt per Verfassungsreform umfangreichen Handlungsspielraum verschaffen will, schafft vor allem eines: Unsicherheit.

Wer jetzt hofft, dass die wirtschaftlichen Folgen eine Kehrtwende in der politischen Kurs bewirken können, könnte sich drastisch irren. Oft suchen autokratische Regime um so mehr die Konfrontation mit inneren und äußeren Feinden, um so Schuldige für die Misere zu benennen.

Die Türkei bleibt also in der Schwebe und für Anleger heißt das wie bisher: An der Börse in Istanbul dürfte auf absehbare Zeit wenig zu holen sein.

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