Dienstag, 13. Dezember 2016

Indien lastet schwer auf dem Goldpreis

Für den Goldpreis war die riesige Nachfrage aus Indien schon immer einer der wichtigsten Faktoren. In den letzten Wochen haben Gerüchte, die Regierung des Subkontinents werde ein Importverbot für Gold verhängen, deshalb zum deutlichen Kursrutsch beigetragen. Solange hier keine Klarheit herrscht, hängt Indiens Politik wie ein Bleiklotz an der Notierung des edlen Metalls.

Eigentlich kann sich die Jahresbilanz des Goldpreises sehen lassen: mit rund 1160 Dollar je Feinunze steht er 100 Dollar höher als Ende 2015. Aber im Vergleich zum Hoch kurz nach dem britischen Brexit-Referendum sind das 200 Dollar weniger. Vor allem der jüngste Absturz um fast 150 Dollar seit Anfang November hat die Anleger verunsichert. Ein Auslöser war zwar der Wahlsieg von Donald Trump, dessen geplante Wirtschaftspolitik stärkere Zinssteigerungen sowohl der kurz- als auch der langfristigen Zinsen erwarten lässt – und das ist für die zinslose Anlage Gold nicht gerade positiv.

Noch mehr aber belasten die Vorgänge in Indien den Goldmarkt. Das Verbot der zwei wichtigsten Banknoten drückt auf den Preis – zum einen, weil Goldkäufe, vor allem in Form von Schmuck, zum erheblichen Teil mit Schwarzgeld erfolgen, das mit der Regierungsmaßnahme bekämpft werden soll. Zum anderen halten die Inder traditionell einen hohen Anteil ihrer Ersparnisse in Gold. Da dies oft "schwarz" geschieht, geht die Angst um, die Regierung könnte auch hier einen Riegel vorschieben und mit einem Importverbot den Kauf von Gold verhindern, zumindest zeitweise oder mit Mengenbegrenzungen. Sogar die Branchenorganisation der Gold- und Schmuckhändler hat seine Mitglieder davon unterrichtet, dass entsprechende Gerüchte umgehen.

Das ist für den Goldpreis deshalb so schlimm, weil die Inder nach den Chinesen die zweitgrößten Goldkäufer sind, im Gegensatz zum Reich der Mitte aber kaum eine eigene Goldförderung haben. Rund ein Viertel des weltweiten Goldabsatzes entfällt auf Indien, und die Inder halten mit geschätzten 20 000 Tonnen soviel privates Gold wie keine andere Nation. Deshalb werden die Meldungen aus Indien am Edelmetallmarkt argwöhnisch begutachtet. Auch die Versuche der Steuerbehörden, Schwarz-Gold aufzufinden und der Steuer zu unterwerfen, sorgen für Unruhe. Einigen großen Gold- und Schmuckhändlern wurden bereits wegen Geldwäsche die Konten gesperrt und weitere Geschäfte untersagt.

In den vergangenen Jahren hat die Regierung vor allem mit Importsteuern auf Gold versucht, die Einfuhr zu begrenzen, schließlich tragen Edelmetall-Importe einen Großteil zum hohen Handelsbilanzdefizit des Subkontinents bei. Experten sind sich deshalb sicher, dass es neue Maßnahmen geben wird – aber wie heftig sie letztlich ausfallen werden, ist völlig unklar. Zuletzt hat die Regierung sogar versucht, die Gold-Sparer zu beruhigen, schließlich sind sie wichtige Wähler. Aber sobald das Tohuwabohu um das teilweise Bargeldverbot vorbei ist, könnte der Goldmarkt ins Visier der Regierung geraten.

Keine guten Aussichten also für das Edelmetall, auch wenn die Nachfrage von Privatanlegern (anders als von Großanlegern) weltweit wieder zunimmt und einige Notenbanken – insbesondere die aus China und Russland – den gesunkenen Preis nutzen, um ihre Devisenreserven stärker in Gold umzuschichten. Und nicht zuletzt sieht die Lage auch charttechnisch alles andere als berauschend aus.

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