Mittwoch, 7. Dezember 2016

Mit Aktien für die Rente sparen

Aktien für die Altersvorsorge haben in Deutschland nach wie vor keine gute Lobby und genießen bislang wenig Akzeptanz – obgleich die Fakten sehr stark für Aktien insbesondere als Langfristanlage sprechen. Die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Zu wenig Kinder, immer mehr Ältere – der demographische Wandel stellt das gesetzliche Rentensystem mit seinem Umlageverfahren in Deutschland nach 2030 bekanntlich vor große Probleme. Steigende Beiträge für die Rente bei einem sinkenden Versorgungsniveau im Alter lauten die Gefahren. Um dieses Finanzierungsproblem abzumildern, wird die gesetzliche Rentenversicherung schon heute mehr und mehr durch Bundeszuschüsse gestützt.

Es werden also Steuergelder dazu verwendet, um die gesetzlichen Rentenversprechen zu halten. Diese belaufen sich bereits jetzt auf rund ein Drittel der gesamten Ausgaben der Rentenversicherung. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Aktieninstituts hervor, die in Kooperation mit B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, der Deka-Bank und Union Investment erstellt wurde.

Die Autoren sprechen sich für einen Aktionsplan „Aktienorientierte Altersvorsorge“ aus und wollen der Politik Empfehlungen für eine Reform der gesetzlich geförderten Altersvorsorge geben. Klar ist: An Aktien führt dabei kein Weg vorbei. „Die Aktienanlage ist hier alternativlos, da keine andere Anlageklasse in der Lage ist, mit gleicher Sicherheit eine entsprechend attraktive Rendite zu erzielen“, lautet ein Fazit der Studie. Angesichts historisch niedriger Zinsen steht die private Altersvorsorge vor besonderen Herausforderungen.

„Ein langfristig tragfähiges Altersvorsorgekonzept für alle Bürger ist nur mit Kapitaldeckung und dem Einsatz von Aktien zu bewerkstelligen“, betonte Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, bei der Vorstellung der Studie . Die derzeit von vielen Politikern favorisierte Lösung, das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung zu stärken, sei nicht zielführend, so Bortenlänger.  „Wir müssen Aktien in einem viel größeren Umfang in der Altersvorsorge einsetzen, um die Rentenlücke zu schließen.“

Wer regelmäßig und langfristig etwa in Form von Sparplänen investiert, kann mit Aktien Renditen zwischen sieben und zehn Prozent pro Jahr aus Kursgewinnen und Dividenden erzielen, Kursschwankungen minimieren sich über die Zeit. Die Studie zeigt die Überlegenheit von Aktien über einen für die Altersvorsorge relevanten Anlagezeitraum von 30 Jahren: Bei diesem Anlagezeitraum beträgt selbst die geringste Rendite der analysierten Sparpläne mehr als vier Prozent; Ausgabeaufschläge und laufende Kosten wurden dabei schon berücksichtigt.

Drei – erfahrenen Anlegern gut bekannte – Regeln gilt es beim Aktiensparen demnach insbesondere einzuhalten: Regelmäßig sparen, langfristig sparen und dabei diversifizieren – also seine Anlagen breit zu streuen. Regeln also, die jeder Anleger  für sich beachten sollte.

Der Aktionsplan „Aktienorientierte Altersvorsorge“ will die Politik dazu bewegen, die Rahmenbedingungen in der Altersvorsorge aktienfreundlicher zu gestalten. Diese Vorschläge gehen über das hinaus, was im Entwurf eines Betriebsrentenstärkungsgesetzes, der Anfang November 2016 vorgelegt wurde, angedacht ist.

Und das sind die wichtigsten Handlungsempfehlungen – man darf gespannt sein, ob die bislang eher aktienskeptischen Parlamentarier sich davon überzeugen lassen:

- mehr Flexibilität in der Ein- und Auszahlungsphase von Riester-Fondssparplänen,

-  Fördersätze der Riester-Zulagen an die Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze anpassen,

- eine staatliche Aktienzulage einführen für Finanzinstrumente, die sich für den langfristigen
 Vermögensaufbau besonders eignen (Förderkonzept Altersvorsorge),

- das aktienorientierte Beratungsangebot wieder stärken

- eine nationale Agenda zur finanziellen Grundbildung auflegen.


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