Dienstag, 31. Januar 2017

Gibt es bald wieder einen Übernahmekampf um Rhön Klinikum?

Da werden Erinnerungen an 2013/2014 wach, als drei Unternehmen das Rhön Klinikum übernehmen wollten. Letztlich gelang es keinem, aber Fresenius kaufte den Großteil der Krankenhäuser, und die Aktionäre wurden reich belohnt. In den vergangenen Wochen nun hat der Klinikzulieferer B. Braun, der damals schon mitmischte, seine Beteiligung an der verbliebenen Rhön in kleinen Raten aufgestockt. Da auch der Klinikbetreiber Asklepios immer wieder Interesse anmeldet, könnte eine neuer Übernahmekampf starten.

Asklepios hatte im vorigen Frühjahr für Aufsehen gesorgt, als der Vorstand mitteilte, mittelfristig den Kauf von Rhön Klinikum zu planen. Allerdings mit dem Zusatz, zu Kursen unter 22 Euro. Damals kostetet die Aktie 27 Euro, derzeit sind es nur noch gut 25 Euro, weil das Unternehmen im Dezember eine Gewinnwarnung veröffentlicht hat - wegen stuktureller Belastungen in zweistelligem Millionenbereich.  Diese Kursschwäche scheint B. Braun genutzt zu haben, um seine Beteiligung von 20 % langsam aufzustocken - innerhalb von sechs Wochen auf über 22 %. Weitere gut 17,5 % hält Asklepios, etwa 15,5 % Rhön-Gründer Eugen Münch mit Frau. Weit über die Hälfte des Kapitals liegt damit bei Großaktionären. Und das macht eine Übernahme nicht gerade einfacher - aber wenn sie zustandekommt, letztlich teurer, was ja ganz im Sinne der Kleinaktionäre wäre.

B. Braun schweigt bisher eisern über die Ziele seiner Zukäufe. Vermutet wird aber, dass das Melsunger Unternehmen eine Sperrminorität von 25 % anstrebt und damit eine Übernahme durch Asklepios erschweren will. Die Frage ist jetzt, wie Asklepios darauf reagiert. Klar ist, dass der Klinikkonzern damit liebäugelt, den Abstand zum Branchenriesen Fresenius zu verringern und mit Rhön eine börsennotierte Gesellschaft bekäme, was es Askelepios-Gründer Broermann erleichtern würde, sein Unternehmen zu vererben.

Wenn Asklepios tatsächlich zugreifen will, kann es nicht ewig auf Kurse unter 22 Euro warten sondern muss irgendwann den Hut in den Ring werfen und selbst aktiv werden, also Rhön-Aktien auch teurer kaufen. Das kann ganz schnell passieren, aber wenn man die Geduld berücksichtigt, die Asklepios seit der Bekanntgabe seiner Übernahmepläne geübt hat, ist dem Konzern zuzutrauen, dass er erst noch stillhält, um den Preis nicht zu sehr nach oben zu schrauben.

Für Kleinanleger wird es also ein Geduldspiel, weil ein Übernahmeangebot noch dauern kann. Aber warten sind die Aktionäre ja von der letzten Übernahmeschlacht gewohnt. Die Wartezeit wird ihnen mit einer stattlichen (erwarteten) Dividendenrendite von über 3,3 % versüßt.

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