Donnerstag, 23. März 2017

Bald mehr Risiko im Xetra-Handel

Die heutige Pressemitteilung der Deutschen Börse ist für Anleger ein Warnsignal und sollte die Behörden auf den Plan rufen. Denn die Deutsche Börse will detaillierte Informationen über vorliegende Aufträge anbieten.

Ab Sommer sollen Details zu jeder sichtbaren Order möglich sein. Ein Angebot, das sich vor allem an Algo-Trader und Hochfrequenzhändler richtet, über die sich schon heute viele Investoren - sowohl private als auch professionelle - ärgern, weil sie sich von ihnen über den Tisch gezogen fühlen. Die Trader versuchen ihre Aufträge vor den anderen Orders zu platzieren, um daraus Profit zu schlagen. Sie haben bislang ihre Computer nahe den Handelssystemen der Börsen platziert und bezahlen dafür Geld.

Nun sollen sie auch noch die einzelnen Orders - und weit mehr - sehen können. Laut Deutsche Börse enthält das neue Angebot  CEF ultra+ Xetra Order by Order unter anderem: „Unsaldierte Order by Order Marktdaten, umlimitierte Orderbuchtiefe für alle Handelsinstrumente, Informationen zur Kauf- und Verkaufsseite wie Preis, Zeitstempel und Menge aller sichtbaren Quotes und Orders, Ausführungspreis und Stückzahl für jeden börsengehandelten Trade, Transaktionsstatus sowie Quoteanfragen und Cross Requests.“

„Wir haben CEF ultra+ Xetra Order by Order für unsere Algo-Trading Community entwickelt, deren Strategien und computergestützte Prozesse auf Geschwindigkeit und Vollständigkeit der Informationen basieren. Von den granularen Daten profitieren insbesondere Buy- und Sell-Side-Kunden, die mittels Algorithmen Handelsprozesse überwachen. Durch die Verarbeitung hochgradig detaillierter Informationen zu Einzelorders unterstützen diese Algorithmen Handelsentscheidungen“, sagte Hartmut Graf, Head of Data Services bei der Deutschen Börse.

Es scheint, als wird die Deutsche Börse AG immer stärker zum Dienstleister für Algo-Trader und weniger zum Marktplatz für Investoren. Wenn die Algo-Trader auch noch die Orderdetails kennen, sollten Anleger im Xetra-Handel entweder sehr aggressive Limite setzen oder an andere Handelsplätze ausweichen.

Mehr zum Thema:
http://finanzjournalisten.blogspot.com/2012/11/algotrading-und-hochfrequenzhandel-was.html
http://finanzjournalisten.blogspot.de/2014/06/ferienlekture-fur-borsianer-flash-boys.html?m=1

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