Dienstag, 14. März 2017

Chinesische Aktien nehmen einen neuen Anlauf

Es war ein richtiges Trommelfeuer, das die chinesische Regierung, die Notenbank und Wirtschaftsforscher in den letzten Tagen in die Welt geballert haben. Sie alle wurden nicht müde, die Stabilität und Stärke der chinesischen Wirtschaft zu beschwören. Den Aktien hat das geholfen: Die Kurse in Shanghai, Shenzen und Hongkong klettern nach einer längeren Seitwärtstendenz wieder - und die Investmentbanken erhöhen die Kursziele für 2017 zum Teil deutlich.

Der Volkskongress, der Anfang des Monats getagt hatte, hat anscheinend auch die letzten Zweifler an einer relativ gesunden Entwicklung der chinesischen Wirtschaft überzeugt. Die Regierung malte dort keine rosaroten Wolken an den Himmel, sondern sezierte schonungslos die Stärken und Schwächen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Und siehe da, die Stärken überwogen merklich, trotz der immer wieder angesprochenen Schulden- und Bankenproblematik und dem drohenden Handelskonflikt mit den USA. Aber die Regierung und später auch die Notenbank konnten viele Skeptiker mit ihrer Offenheit davon überzeugen, dass die Führung in Peking die Probleme in den Griff bekommt, ohne die Zinsen deutlich zu erhöhen.

Daraufhin hat nun mit Goldman Sachs auch die letzte der großen US-Investmentbanken am Wochenende eine Kaufempfehlung für den chinesischen Aktienmarkt herausgegeben. Für den MSCI China-Index, der auch in Hongkong gelistete Aktien enthält, sehen die Analysten für 2017 ein Kursziel, das rund ein Viertel über dem Stand zu Jahresbeginn liegt. Triebfedern sollen die stärkere Konjunktur und die dadurch höheren Unternehmensgewinne sein. Die Gewinne werden laut Goldman 2017 um 13% und 2018 um 11% zulegen. Anders als einige andere internationale Geldhäuser, die vielfach Konsumwerte bevorzugen, sieht Goldman die besten Chancen bei Bank- und Immobilienaktien.

Die ersten harten Daten für das neue Jahr, die heute veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass der Optimismus gerechtfertigt ist. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Investitionen lagen im Januar/Februar über den Erwartungen, die Investitionen sogar deutlich. Besonders positiv stimmt dabei, dass die Investitionen der Privatunternehmen fast so schnell wachsen wie die der staatlichen Firmen - und dass sie mit 6,7% Steigerung fast doppelt so hoch waren wie vor einem Jahr. Die ersten Banken haben denn auch ihre Wachstumsprognose für das erste Quartal von rund 6,5% auf nahezu 7% angehoben.

Das sind nicht nur gute Nachrichten für den chinesischen Aktienmarkt, sondern auch für die internationale Konjunktur und damit die Börsen. Und auch an den Rohstoffmärkten atmen die Akteure auf, weil der weltgrößte Rohstoffverbraucher schneller als bisher angenommen wächst und damit den Preisanstieg der letzten Monate stützt.

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