Freitag, 12. Mai 2017

Freitagsfrage: Kommt jetzt die Zinswende?

Die Nachricht von Spiegel Online verbreitete sich schnell: Angeblich bereitet die EZB den Ausstieg aus der ultralockeren Zinspolitik vor. Focus Money will sogar wissen, dass das Anleihenprogramm ab Juli zurückgefahren wird. Steigen jetzt endlich wieder die Sparerzinsen in Deutschland?

Was Spiegel Online da meldet war schon länger im Gespräch. Weil die Konjunktur in Europa und ganz besonders in Deutschland brummt, könnte die EZB sich allmählich von der ewigen Gelddusche für die Wirtschaft verabschieden.

Als ersten Schritt würde sie dafür das Anleihenprogramm zurückfahren. Im Rahmen dieses Programms kauft die Europäische Zentralbank jeden Monat Anleihen für 60 Milliarden Euro und hält die Zinsen damit künstlich niedrig. Eigentlich läuft das Programm Ende des Jahres aus. Doch einen Abschied von Alles auf Nichts wird es nicht geben, vielmehr wird die EZB ihre Aktivitäten allmählich herunterfahren.

Höhere Leitzinsen können allerdings erst mit Verzögerung kommen und auch nur dann, wenn die Wirtschaft bis dahin weiter stabil läuft. Vermutlich Ende 2018 wäre das frühestens. Bis das beim Sparer ankommt wird also noch einige Zeit ins Land streichen. Als erstes spürbar könnte die Entwicklung bei langfristigen Zinsen von Anleihen werden.

Dass  Europa für eine Zinswende reif ist zeigt aber nicht nur ein Blick auf die Konjunktur, sondern vor allem auf die Preise. Denn offiziell ist eine angemessene Inflation das Ziel der Politik der Zentralbank. Und hier gibt es immer mehr Argumente für ein Ende der Nullzinspolitik: Die Inflation steigt, in Deutschland liegt sie wieder am Ziel der EZB von rund zwei Prozent. Und das obwohl die Notierungen für Rohöl – eine der wichtigsten Faktoren für die Preissteigerung– zuletzt wieder sehr schwach notiert hatte.

Sparer dürfen also hoffen – und brauchen dennoch eine Menge Geduld.


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