Dienstag, 2. Mai 2017

Gewinnanstieg im Rekordtempo rechtfertigt den Kursanstieg bei DAX und Co.

Man muss schon weit zurückblättern, um in Europa ähnlich hohe Steigerungen der Unternehmensgewinne zu finden wie im ersten Quartal 2017 - immerhin sechseinhalb Jahre. Ein Ertragsplus von 24 % im Vorjahresvergleich zeigt, dass der europäische Konjunkturaufschwung bei den AGs angekommen ist - und dass die Hausse am Aktienmarkt auf ein stabiles Fundament gebaut ist.

Bisher hat zwar erst ein Drittel der Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600 Zahlen für den Zeitraum Januar bis März präsentiert - aber sie haben im Durchschnitt mit einem Zuwachs um fast ein Viertel die Erwartungen weit übertroffen. Die lagen bei 15 %. Im Quartal zuvor hatten die Gewinne erstmals nach drei Jahren Rückgang und Stagnation wieder spürbar zugelegt, um knapp 13 %. Die Prognosen für den gesamten Index, also wenn alle 600 AGs  gemeldet haben, sind für das Startquartal 2017 nach dem starken Auftakt auf durchschnittlich 22 % nach oben revidiert worden. Das hat auch die Analystenschätzungen für das Gesamtjahr 2017 deutlich in die Höhe getrieben. Erwartet werden nun 15 % Plus statt wie bisher 11 %.

Europas AGs stechen damit ihre US-Konkurrenten deutlich aus: An der Wall Street haben schon zwei Drittel der Firmen aus dem S+P 500 Zahlen gemeldet und im Durchschnitt um 12 % zugelegt, also gerade einmal halb so viel wie die europäischen AGs. Aber auch das ist besser als erwartet und immerhin der stärkste Gewinnzuwachs seit dem dritten Quartal 2011. Es sieht also ganz danach aus, als würde weltweit ein neuer Zyklus steigender Unternehmensgewinne starten.

Der Ertragsschub in Europa spiegelt die positive Konjunkturentwicklung der letzten Monate wider. Das Wachstum hat sich beschleunigt, und - was für die zukunftsgerichteten Börsen noch wichtiger ist - die meisten Frühindikatoren lassen erwarten, dass die Konjunktur im Jahresverlauf noch mehr als bisher an Kraft zunehmen wird. Der heute veröffentlichte und an den Börsen viel beachtete Einkaufsmanagerindex hat in der Eurozone im April ein Sechsjahreshoch erklommen und wächst so dynamisch wie zurzeit in kaum einer anderen Region weltweit.

Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass der Kursaufschwung bei DAX, EuroStoxx und Co. anhält - falls keine politischen Querschüsse die positiven wirtschaftlichen Faktoren überlagern. Schließlich verschafft der Gewinnschub neue Bewertungsspielräume, zumal Europas Aktien bei weitem nicht so hoch bewertet sind wie amerikanische. Es ist deshalb kein Wunder, dass die internationalen Geldströme wieder vermehrt Richtung Europa gelenkt werden. In der letzten Aprilwoche haben internationale Anleger mit netto 2,4 Milliarden Dollar so viel Geld in Aktienfonds mit Schwerpunkt Europa investiert wie seit Ende 2015 nicht mehr.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen