Dienstag, 9. Mai 2017

Ölpreis: Die Opec will von Draghi lernen

Der kräftige Ölpreisrutsch der letzten zwei Monaten hat die Opec alarmiert. Das Kartell hatte angenommen, dass die Förderkürzung seit Jahresbeginn die Preise steigen lassen werde. Aber davon ist nichts mehr zu sehen. Saudi Arabiens Energieminister Khalid al-Falih versucht es in der Not nun mit einer Methode, mit der EZB-Präsident Mario Draghi vor fünf Jahren sehr erfolgreich war.

Draghi hatte im Juli 2012, als der Euro wackelte und die Zinsen der schwachen Euro-Teilnehmerländer in die Höhe schossen versichert, die EZB werde tun "whatever it takes", also alles Denkbare unternehmen, um den Euro zu stützen.  Der Euro stabilisierte sich, die Zinsen gingen wieder runter und die Aktienmärkte haussierten.

Gestern nun hat al-Falih genau Draghis Worte wiederholt, um zu bekräftigen, dass die OPEC alles tun werde, um den Ölpreis wieder in die Höhe zu bringen. Und dazu ist zumindest nötig, dass das Kartell bei seiner Sitzung am 25. Mai die Förderkürzung um mindestens sechs Monate verlängert. Die Nicht-Kartellmitglieder, vor allem Russland als größter Ölproduzent weltweit, haben immerhin am Wochenende ihre Bereitschaft signalisiert, die Kürzungen ebenfalls noch länger durchzuhalten.

Als die OPEC im November 2016 die erste Kürzung ab Januar 2017 beschlossen hatte, ging der Ölpreis anschließend steil nach oben - von 46 auf 57 Dollar je Barrel Brent-Qualität. Aber seit März hat der Preistrend gedreht und vorige Woche lag die Notierung wieder bei gut 46 Dollar. Zum einen, weil bisher nicht klar war, ob die Opec ab Juli ihre Förderung tatsächlich über den Juni hinaus drosseln wird, zum anderen, weil die amerikanischen Fracking-Unternehmen die gestiegenen Preise zu einem Förderboom genutzt haben. Die Zahl der US-Bohranlagen hat sich seit Jahresfrist mehr als verdoppelt, weil sich für viele Firmen bei Preisen ab 40 bis 45 Dollar die Förderung wieder lohnt. Das hat die OPEC-Kürzung um 1,8 Millionen Barrel teilweise ausgeglichen. Binnen Jahresfrist hat sich der US-Output um rund 800 000 Faß erhöht.

Zum Preisverfall beigetragen hat auch, dass zwar die Produktion von Opec + Co. stark gefallen ist, aber der Export weniger deutlich.  Denn die Förderländer haben ihre übervollen Lager teilweise geräumt und so den Kürzungseffekt gedämpft. Und nicht zuletzt haben Hedge-Fonds, die zunächst auf einen steigenden Ölpreis spekuliert hatten, ihre Strategie gedreht und wetten seit Wochen massiv auf sinkende Preise. Sie haben ihre Short-Positionen um 40 % erhöht und die Long-Positionen massiv reduziert.

Für den saudischen Ölminister und die OPEC wird es also nicht leicht, den Preistrend wieder dauerhaft nach oben zu drehen. Dazu ist auf jeden Fall eine Entscheidung zugunsten einer Verlängerung der Förderkürzung nötig. Und das möglicherweise sogar über das Jahresende 2017 hinaus. Oder aber, die Drosselung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag wird auf über 2 Millionen Faß ausgeweitet. Diese beiden Alternativen lesen zumindest manche Experten aus dem "whatever it takes"-Versprechen der Saudis.

Al-Falih und die Opec müssen aber auf die starken Worte bald überzeugende Taten folgen lassen, damit die Baisse-Spekulanten aufgeben und den Weg frei machen für höhere Ölpreise. Und die verfeindeten OPEC-Riesen Iran und Saudi Arabien müssen weiter an einem Strang ziehen, was nicht so selbstverständlich ist. Die nächsten zwei bis drei Wochen dürften also spannend werden.


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