Freitag, 23. Juni 2017

Freitagsfrage: Warum gilt ein niedriger Ölpreis als schlecht für die Börse?

Der Ölpreis sinkt – und die Börsianer zucken zusammen. Sinkende Notierungen für Rohöl haben in den vergangenen Jahren schon verschiedentlich als Begründung für schlechte Börsentage herhalten müssen. Warum ist ein niedriger Ölpreis aber Grund für Ängste von Anlegern?

Das war nämlich nicht immer so. Vor einigen Jahren gab ein niedriger Ölpreis oft dem Startschuss für einen lebhaften Kursanstieg.

Denn Rohöl gilt zu Recht als Schmierstoff der Wirtschaft, weil es das Gut ist, das sowohl Verbraucher als auch Wirtschaft mit einem signifikanten Anteil brauchen. Weniger Kosten hierfür heißt, dass mehr Geld in der Kasse bleibt. Verbraucher können also mehr von anderen Gütern konsumieren und Unternehmen höhere Margen realisieren. Zudem dämpft ein niedriger Ölpreis die Inflation, was Spielraum für niedrige Zinsen schafft – auch das ist gut für die Konjunktur.

Sorgen machten sich Anleger früher allenfalls, wenn ein sinkender Ölpreis als Indikator dafür gewertet wurde, dass die Nachfrage sinkt. Weniger Ölbedarf heißt nämlich oft, dass die Wirtschaft schwächelt.

Das alles gilt auch heute noch. Doch es sind ein paar negative Effekte hinzugekommen. Einerseits waren niedrige Ölpreis schon immer schlecht für die Produzentenländer. Der aktuelle Preis bringt etwa Nigeria und Venezuela in massive Probleme, für andere Ölstaaten bedeutet er zumindest finanzielle Schwierigkeiten. Weil die Welt viel globalisierter geworden ist, trifft das wiederum so manches Unternehmen in den Industrieländern, die in diese Länder exportieren.

Gleichzeitig gibt es eine wachsende Branche, die von erneuerbaren und alternative Energien lebt. Sie hat um so leichteres Spiel, je höher die Kosten für Öl sind.

Derzeit reagiert die Börse eher gelassen auf die Bewegungen am Ölmarkt. Zu Recht, denn positive und negative Effekte dürften sich weitgehend ausgleichen. Und als Indikator für eine schlechte Weltkonjunktur kann man den Preis angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage wirklich nicht deuten.

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