Donnerstag, 29. Juni 2017

McKinsey-Studie: "Making it in America"

Die heute veröffentlichten Studie „Making it in America“ zeigt, woran die amerikanische Wirtschaft kränkelt und wie man sie wieder in Gang bringen könnte. Nicht nur Donald Trump sollte die Studie lesen und beherzigen, auch die Deutschen können daraus lernen.

"Die Zukunft der Wirtschaft ist digital", ist an sich keine bahnbrechende Erkenntnis. Die Analysten stellen jedoch einen direkten Zusammenhang zwischen der schwächelnden US-Mittelschicht und der aktuellen Lage her.

Denn klar ist, die amerikanische Mittelschicht leidet. Während die Bezieher höherer Einkommen heute mehr als Anfang des Jahrtausends verdienen, ist das Durchschnittseinkommen der Mittelklasse geschrumpft. Zwar wirkten sich die in den vergangenen Jahren rückläufige Arbeitslosenquote sowie die verbesserte Konjunkturlage jüngst auch leicht positiv auf die unteren Einkommensklassen aus, doch das Durchschnittseinkommen im mittleren Quintil liegt mit 35.629 Dollar deutlich unter den Höchstwerten – die vor der Rezession 2008/09 erreicht wurden – und befindet sich auf dem Niveau Ende der 90er Jahre.

Einer der Hauptgründe dafür ist die Schwäche im produzierenden Gewerbe, dem Herzstück der US-Wirtschaft. Rund ein Drittel der Arbeitsplätze gingen in den vergangenen 20 Jahren verloren, heute sind nur noch neun Prozent der Beschäftigten in diesem Sektor tätig. Die Studie bescheinigt, dass die USA nicht nur Jobs an die Niedriglohnländer verloren hat, sondern auch an entwickelte Länder mit gut qualifizierten Arbeitern.

Doch die Experten sehen Hoffnung: Die Nachfrage, globale Lieferketten und Technologie würden sich zugunsten der USA entwickeln. Immerhin zählen die USA zu den größten und lukrativsten Märkten, in den aufstrebenden Ländern steigen die Lohnkosten oder die zunehmende Automatisierung stellt Produktionsverlagerungen in Frage. Die neue Welt der digitalen Produktion wird zu höherer Produktivität führen und durch Technologien wie dem Internet der Dinge, hochentwickelte Roboter oder 3D-Drucker werden Fabriken zu flexiblen selbstständigen Einheiten, die die Wertschöpfungskette voranbringen.

Die Wachstumsmöglichkeiten für die US-Industrie sind gegeben, doch es wäre "naiv, die Herausforderungen für eine Kehrtwende nach zwei Jahrzehnten negativer Trends zu unterschätzen“, schreiben die McKinsey-Analysten. Um die Wirtschaft anzukurbeln, brauche es zunächst Investments, inländische sowie ausländische – und nicht nur steuerliche Anreize -, um  Zukunftsindustrien auch in Regionen zu bringen, die bislang zurückgeblieben sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei der Aufbau der inländischen Zuliefererindustrie, sie wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten ausradiert. Ebenfalls notwendig sei gut ausgebildetes Personal sowie eine übergreifende Strategie, die Exporte ankurbelt und Marktanteile erhöht.

Das Fazit der Experten lautet: „Die USA kann es besser, aber es sind viele Hebel, die in Bewegung gesetzt werden müssen.“ Arbeiter sind nicht nur ein Pool von Beschäftigten, sie sind Einwohner und potenzielle Kunden. Höhere Einkommen würden für höhere Nachfrage sorgen – und könnten so einen guten Wachstumszyklus in Gang setzen. Und wenn auch jene einbezogen werden, die zurückgeblieben sind, kann dies die gesamte Wirtschaft weiter voranbringen.

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