Montag, 3. Juli 2017

"America First!"? Nicht bei internationalen Touristen und Unternehmern

Die Ausfälle des US-Präsidenten Trump werden selbst republikanischen Politikern zu krass, wie die Reaktionen auf seine jüngstes Twitter Video zeigen: Hier verprügelt der Präsident persönlich einen Mann, auf den das CNN Logo aufgespielt ist – ein klares und wenig präsidiales Statement gegen kritische Medien. Doch Trumps Politik und Polemik schreckt vor allem eine ganz andere Gruppe ab: Ausländische Touristen und Unternehmer.

Visabeschränkungen und Beleidigungen vieler Nationen der Welt, unter anderem Deutschland, das in den Augen von Trump "böse, sehr böse" ist. Vielen Ausländern reicht es offenbar: Sie wollen nicht mehr so gerne in die USA reisen. Obwohl der weltweite Reisemarkt boomt, wird die Zahl der Buchungen in den USA 2017 vermutlich stagnieren. Aus Nahost und Mexiko sind gar spürbare Rückgänge zu erwarten.

Das kann sie US Wirtschaft vermutlich verkraften, denn die Tourismusindustrie ist nicht die wichtigste Branche. Allerdings sind Touristen nicht die einzige Gruppe von Ausländern, die die USA meiden wollen: Auch Unternehmer scheinen ihre Pläne für das Land eher zurückzufahren oder aufzuschieben.

Wie die Wirtschaftswoche berichtet sind die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen im ersten Quartal 2017 um fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Besonders deutsche Unternehmen halten sich zurück. Das liegt vermutlich vor allem an den Unsicherheiten, die Trumps Politik für Unternehmen ausstrahlt. Denn keiner weiß, ob Trump doch noch einen Handelskrieg anzettelt – für viele Branchen, die auf Zulieferungen aus dem Ausland angewiesen sind, ist das eine echte Bedrohung.

Eine Gefahr ist dagegen der Rückzug ausländischer Investoren für die US-Wirtschaft, wenn sie anhält. Denn Direktinvestitionen bringen nicht nur Arbeitsplätze sondern oft auch Know-How in eine Land. Ob der Trend zur Zurückhaltung von Ausländern in den USA anhält, wird sich mit den Daten zum zweiten Quartal zeigen. Denn ein Argument gegen eine Reise oder eine Investition in den USA ist nämlich auch immer ein starker Dollar, der das Vorhaben verteuert - und der US-Dollar war Anfang des Jahres stark. Das hat sich inzwischen relativiert. Es bleibt also spannend.


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