Dienstag, 25. Juli 2017

Ein neuer Anlauf zu höheren Ölpreisen

Bisher ist es der OPEC nicht gelungen, den Ölpreis mit Förderkürzungen wieder anzuheben. Deshalb hat ein Treffen des Kartells mit wichtigen Ölförderern außerhalb der OPEC gestern in St. Petersburg neue Hilfen für den Ölpreis vereinbart. Die Märkte haben auf die Ankündigungen positiv reagiert, die Notierungen ziehen leicht an. Die Frage ist, ob damit eine wirkliche Wende eingeleitet worden ist.

Den wichtigsten Beitrag zu einer Eindämmung der Ölflut will Saudi Arabien leisten. Energieminister al-Falih hat angekündigt, sein Land werde nur noch 6,6 Millionen Barrel Öl pro Tag exportieren - rund 600 000 Fass weniger als bisher und ein Million weniger als vor Jahresfrist. Außerdem sollen diejenigen Staaten, die sich zuletzt nicht an die Vorgaben des Kartells gehalten hatten, zu mehr Disziplin gedrängt werden. Das würde zusätzlich 200 000 Faß pro Tag weniger bedeuten.

Und nicht zuletzt sollen die Vorgaben des OPEC-Abkommens, die sich bislang nur auf die Ölproduktion beziehen, auf die Ölexporte ausgeweitet werden. Das würde Sinn machen, weil zwar die Förderung der OPEC-Mitglieder, die dem Abkommen beigetreten sind, fast um die vereinbarten 1,2 Millionen Barrel gefallen ist, nicht aber ihre Exporte. Die sind, so Insider maximal um ein Viertel davon gesunken, weil einige Länder zusätzlich zur gedrosselten Förderung Öl aus ihren vollen Lagern ins Ausland verschifft haben. Dieser Ausweg soll nun geschlossen werden.

Vermutlich hätte die OPEC ihr Ziel einigermaßen erreicht, wenn nicht zwei OPEC-Staaten, die bisher vom Abkommen ausgenommen sind -Nigeria und Libyen - ihre Produktion in den letzten Monaten massiv erhöht hätten. Sie konnten das, weil der Kampf um die Ölquellen in Libyen und um die Transportwege in Nigeria abgeflaut ist und die beiden Staaten damit ihre Exporte einigermaßen normalisieren konnten.Nigeria will nun aber freiwillig bei der Förderbegrenzung mitmachen.

Das alles hört sich gut an, aber es gibt zwei Unsicherheitsfaktoren: Erstens, ob die amerikanischen Frackingunternehmen ihre Produktion weiter so stark steigern wie seit Jahresbeginn. Manche Experten bezweifeln das, weil inzwischen der Produktionsrekord aus der Zeit vor dem Ölpreiscrash wieder erreicht worden ist und damit die freien Kapazitäten nicht mehr sehr groß sind.

Der zweite Faktor betrifft die weltweite Nachfrage nach Öl. Sie war in der ersten Jahreshälfte erstaunlich hoch, vor allem weil Chinas Ölimporte um über 13 Prozent gestiegen sind und Indien ebenfalls deutlich mehr Öl eingeführt hat. Allerdings herrscht die Befürchtung, dass Chinas Ölhunger in den kommenden Monaten abnehmen und damit die Welt-Ölnachfrage weniger stark klettern wird als vorhergesagt.

Da die Angebots-Nachfrage-Situation am Ölmarkt nahezu ausgeglichen ist, reichen schon ein einige 100 000 Barrel mehr oder weniger, um die Preisrichtung zu drehen. Insofern stehen die Chancen mit dem 600 000-Barrel-Versprechen der Saudis nicht schlecht, dass zumindest die 50-Dollar-Marke bei Brent-Öl (von derzeit knapp 49 Dollar) übersprungen und dann ein neuer Anlauf auf die 60-Dollar-Hürde genommen wird.

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