Freitag, 29. September 2017

Freitagsfrage: Ölpreis auf Zweijahreshoch - geht die Rallye weiter?

Ende Juni, als der Ölpreis (für die britische Sorte Brent) auf knapp über 45 Dollar je Barrel gefallen war, sagten viele Experten einen Rutsch unter 40 Dollar voraus. Es kam aber ganz anders. Seither hat der Ölpreis 30 Prozent gewonnen und zu Wochenbeginn mit 59 Dollar ein Zweijahreshoch erreicht. Jetzt sehen Fachleute einen weiteren Anstieg auf bis zu 80 Dollar voraus. Sind diese Erwartungen zu optimistisch - oder geht die Rallye tatsächlich weiter?

Gründe für einen anhaltend starken Ölpreis gibt es genügend: Angefangen vom zügigen Abbau der vollen Lagerbestände in den USA, China, Indien und anderen großen Ölverbrauchern, über den möglichen Stop der Lieferungen von kurdischem Öl (über eine halbe Million Barrel pro Tag) durch die Türkei oder den Irak, bis hin zur Belebung der Weltwirschaft, die einen höheren Energiebedarf nach sich zieht. In der Tat hat die Nachfrage nach Öl in den letzten Monaten weltweit überraschend stark zugenommen.

Skeptiker sehen den steilen Preisanstieg der letzten drei Monate allerdings als vorübergehend an, weil es ohne die Vereinbarung von OPEC und NOPEC (Ölförderern wie Russland, die nicht dem Kartell angehören), die Exporte gemeinsam um täglich 1,8 Millionen Barrel zu drosseln, immer noch viel zu viel Öl auf dem Markt gäbe. Und da die Vereinbarung Ende März 2018 ausläuft, werde bereits bald eine Preiswende nach unten erfolgen. Hinzu kommt, dass die amerikanischen Fracking-Unternehmen bei den jetzigen Preisen ihre stark gestiegene Produktion noch weiter ausbauen dürften. Sie haben noch Kapazitäten frei. Für die Annahme wieder sinkender Preise spricht auch ein besonderer Punkt: In den letzten Jahren war es fast immer so, dass der Ölpreis stark gefallen ist, wenn die Experten besonders optimistisch wurden, und dass er geklettert ist, wenn sie einen Preissturz an die Wand gemalt haben. Dann wäre diesmal also wieder ein deutlicher Rückgang dran.

Aber so einfach ist es natürlich nicht immer. Zwei Sonder-Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Preise nach der 30%-Hausse nicht lange korrigieren, sondern ihren Anstieg tendenziell fortsetzen werden:
  • Erstens arbeiten die beiden mächtigsten Förderländer Saudi Arabien und Russland, die zusammen fast ein Viertel zur Welt-Ölproduktion beitragen, bereits daran, die Vereinbarung zwischen OPEC und NOPEC bei Bedarf zu verlängern. Dazu reist der saudische König im Oktober nach Moskau.
  • Zweitens will und muss Saudi Arabien im kommenden Jahr mit der Teilprivatisierung des staatlichen Ölriesen Aramco beginnen, um mit den Erlösen den Staatshaushalt zu sanieren. Immerhin sollen im ersten Schritt Aktien im Wert von etwa 100 Milliarden Dollar verkauft werden. Da braucht es schon ein gutes Klima am Ölmarkt, also steigende Preiserwartungen, um Investoren anzulocken. 
Da der Börsengang von Aramco für Riad nicht nur finanziell äußerst wichtig ist, sondern auch ein politisches Signal für die Öffnung des Königreichs setzen soll, wird Saudi Arabien alles für weiter steigende Ölpreise tun. Hinzu kommt, dass die Förderkürzungen der OPEC erfolgreich sein müssen, wenn das Kartell dauerhaft wieder mehr Einfluss am Ölmarkt gewinnen will. Einen Fehlschlag kann sich die OPEC einfach nicht mehr leisten. Auch deshalb muss Riad seine Kooperation mit dem politischen Feind Russland fortsetzen Da auch für Moskau hohe Ölpreise eminent wichtig sind, werden die Anführer von OPEC und NOPEC vermutlich alles dafür tun, um die Förderkürzung zu verlängern. Und damit entscheidend dazu beitragen, dass der Ölpreisanstieg nach einer Konsolidierung weitergeht.

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