Dienstag, 24. Oktober 2017

Leerverkäufer gehen bei den Gewinnen häufig leer aus

Wenn Aktien massiv leer verkauft werden, drückt das deren Kurse kurzfristig oft deutlich - aber langfristig haben die Hedge Fonds und andere "Short-Seller" häufig das Nachsehen mit ihren Spekulationen auf fallende Kurse.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat ausgerechnet, dass die 100 Aktien aus dem MSCI Asia Pacific Index, die am stärksten leer verkauft worden sind, im Durchschnitt weitaus besser abgeschnitten haben als der Gesamtindex. Im bisherigen Jahresverlauf haben sie um 35% zugelegt, der Index nur um 20%. Per Saldo dürften also die Leerverkäufer ziemlich viel Geld in den Sand gesetzt haben, denn sie müssen Aktien, die sie shorten, vorher von Aktienbesitzern (z.B. Investmentfonds) leihen und sie später wieder zurückgeben. Wenn aber die Kurse bis zur Rückgabe klettern, müssen sie die Aktien teuer zurückkaufen. Kein Wunder, dass Investmentlegende Warren Buffett vor kurzem gespottet hat, in der Liste der reichsten Amerikaner der letzten 35 Jahre sei kein einziger Leerverkäufer vertreten gewesen.

Auch in deutschen Aktien treiben Leerverkäufer ihr munteres Spiel. Ihr liebstes Spielfeld sind Aktien relativ kleiner Unternehmen, denn bei ihnen kann man bereits mit geringen Beträgen große Kurswirkungen erzielen. Besonders viele Leerverkäufer stürzen sich auf den MDAX. Bei fast einem Fünftel der Index-Mitglieder beträgt die Netto-Leerverkaufsposition derzeit mindestens vier Prozent, das heißt, dass mehr als vier Prozent des Aktienkapitals von Hedge Fonds und anderen Spekulanten leer verkauft worden sind. Besonders hohe Positionen gibt es bem Kalihersteller K+S mit fast zwölf Prozent, sowie bei Deutsche Euroshop, Aurubis und Metro mit über fünf Prozent Netto-Leerverkäufen.

Im TecDAX sind Aixtron mit über zehn Prozent sowie ADVA, Nordex und Morphosys mit mehr als fünf Prozent Netto-Leerverkaufspositionen Aktien, bei denen die Hedge Fonds besonders massiv auf fallende Kurse wetten, im SDAX ragen Heideldruck, Bilfinger, SAF Holland und Zooplus mit jeweils über vier Prozent Leerverkäufen heraus. Dagegen nehmen sich die Positionen im DAX relativ bescheiden aus: Nur die Commerzbank und Volkswagen kommen auf mehr als zwei Prozent Short-Positionen.

Die Netto-Leerverkaufsquoten für deutsche Aktien werden vom elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht - allerdings nur die Einzelpositionen, die bei einer Aktie 0,5 % überschreiten. Was darunter liegt, wird zwar von der Regulierungsbehörde ab 0,2% Quote ebenfalls erfasst, aber nicht veröffentlicht. Die tatsächlichen Leerverkaufsquoten für die einzelnen Aktien dürften deshalb zum Teil deutlich über den gemeldeten liegen.

Für die Aktien mit vielen Short-Sellern gilt in Deutschland ähnliches wie es Bloomberg für Asien herausgefunden hat: Sie bewegen sich häufig in die entgegengesetzte Richtung, als es die Spekulanten erwarten - und dann müssen die Hedge Fonds den steigenden Kursen nachlaufen und teuer zurückkaufen - und das treibt dann die Kurse weiter nach oben.

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1 Kommentar:

  1. Aber...
    offensichtlich scheint sich das teure Zurückkaufen für die Hedgefonds zu lohnen. Sie machen mit erfolgreichen Aktionen wie z.b. bei Aurelius so viel Gewinn, dass es sie nicht stört, wenn auch Verlust anfällt - ansonsten müßte man fragen: Was soll der Unsinn?

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