Montag, 4. Dezember 2017

Deutsche leiden immer noch unter Aktienangst

"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" - dieser Aphorismus von Johann Wolfgang von Goethe aus dem "Faust" kennzeichnet die derzeitige Seelenlage der deutschen Anleger perfekt. Denn eine neue Studie zeigt: Dass Aktien ein sehr lukratives Anlageinstrument sind, wissen viele. Handeln tun sie dennoch nicht.

Das ist das wesentliche Ergebnis einer groß angelegten aktuelle Studie der AXA über das Anlageverhalten der Deutschen 2017. 42 Prozent der Bundesbürger glauben demnach, dass "eine Geldanlage an der Börse hochinteressant ist." Wie wir aber aus der Statistik der Bundesbank und anderen Quellen wissen, ist der Anteil der Aktionäre unter den Deutschen aber ziemlich klein und steht wohl immer noch ganz weit unter 20 Prozent.

Immerhin hat sich zwar tatsächlich herumgesprochen, dass Aktien langfristig eine der lukrativsten Anlageformen sind. Der zweite Teil der Botschaft ist aber offensichtlich untergegangen. Dass mit einer breiten Streuung über die Zeit das Risiko für Kursverluste immer niedriger wird und nach einem Zeitraum von etwa 15 Jahren komplett verschwindet.

Denn 58 Prozent der Deutschen fürchten mit Aktien "unkontrollierbare Risiken" einzugehen. Fast die Hälfte (46 Prozent) meint sogar, dass Geldanlage an der Börse "genauso riskant ist wie ins Spielcasino zu gehen."

Wenn wir nicht weiter jedes Jahr Milliarden an potentiellen Erträgen verschenken wollen, sind alle gefragt. Schulen natürlich, aber auch die Politik. Mit der ständigen Ausweitung der Beratungspflicht machen die Regulierer es nicht nur für Banken unlukrativ, Menschen mit kleinem Einkommen Aktienanlagen überhaupt anzubieten. Sie verstärken damit auch das Grundgefühl, dass die Börse etwas sehr, sehr gefährliches ist.

Natürlich gilt: Kauf nichts, was Du nicht verstehst. Ein breit gestreutes ETF zum Beispiel auf den MSCI World ist aber schnell für jeden erklärt: Hier kaufst Du Anteile an über 1600 wichtigen Firmen weltweit und solange die Wirtschaft wächst, werden sie langfristig wertvoller, auch wenn die Kurse kurzfristig schwanken. Und das hat mit Casino nun einmal gar nichts zu tun.

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