Montag, 11. Dezember 2017

Weihnachtszeit - Gruselzeit

Zum Jahresende sind die Prognostiker besonders fleißig, Schließlich kommt ein neues Jahr und jeder will gerne wissen, was es so bringen wird. Besonders laut werden die Mahner, die vor einem Zusammenbruch a) der Börsen b) der Weltwirtschaft oder c) der Weltordnung warnen. Die dänische Saxo Bank legte nun 10 "ungeheuerliche Prognosen" vor - alles Ereignisse, die sehr unwahrscheinlich wären, die Welt aber dennoch nachhaltig verändern würden.

Darunter sind noch vorstellbare Dinge ein Flash-Crash an der New Yorker Börse, der den S&P 500 um 25 Prozent nach unten bringt, oder ein Wahlsieg für die Demokraten bei den Mid-Term Wahlen in den USA, die dort die Konjunktur durch neue Ausgabenprogramme nachhaltig ankurbelt.

Weniger wahrscheinlich sind zwei andere politische Prognosen: Zum einen, dass die amerikanische Notenbank FED ihre Unabhängigkeit verliert und unter das Regime des Finanzministeriums gestellt wird, zum anderen dass den Visigradstaaten in Europa eine "feindliche Übernahme" der EU gelingt  - mit sehr ernsten Folgen für den Euro.

Beide Ideen scheinen komplett wirr. Allerings sind sie nicht mehr als der Versuch, zwei aktuelle Tendenzen konsequent zu Ende zu denken. Zum einen der Versuch von Donald Trump die Geldpolitik zu einem verlängerten Arm seiner Wirtschaftspolitik zu machen, zum anderen die Querschüsse der osteuropäischen Länder in der EU, die die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft einschränken und den Kontinent schwächen.

Damit zeigen die Prognosen ganz deutlich, welche grundlegende Problematik hinter aktuellen Entwicklungen steckt. Und damit sind die "ungeheuerlichen Prognosen" für mich ungeheuer wertvoll - zumindest wertvoller, als die üblichen "Wo steht der Dax Ende 2018" Umfragen.

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