Dienstag, 6. Februar 2018

Börsen begrüßen Amerikas neuen Notenbankchef mit einem Kurseinbruch

Ein paar Stunden, nachdem Jerome Powell als neuer Chef der US-Notenbank Fed vereidigt worden war, erlebte die Wall Street  den stärksten prozentualen Kurseinbruch seit über sechs Jahren - und mit ihr die übrigen Weltbörsen. Da kann Powell gleich mal zeigen, ob er in die Fußstapfen seiner Vorgängerin Janet Yellen treten kann, die es während ihrer vierjährigen Amtszeit zunehmend besser verstanden hat, die Finanzmärkte zu beruhigen und die voraussichtlichen Handlungen der Fed frühzeitig zu kommunizieren.

Der Wechsel von Yellen zu Powell kommt in einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn gerade in einer Phase, in der die Sorge vor einem Aufleben der Inflation und stärkeren Zinserhöhungen die Anleger verunsichern, ist ein neuer Fed-Chef ein zusätzliches Element der Nervosität. Bei Frau Yellen wussten die Märkte, wie sie "tickt" und wie sie auf bestimmte Ereignisse reagiert, bei Powell müssen sie das erst lernen. Man weiss zwar, dass er im Prinzip ähnlich denkt wie seine Vorgängerin, also zu den geldpolitischen "Tauben" zählt, die eher spät als zu früh die ultralockere Zinspolitik straffen. Aber so richtig wird er seine Intentionen und Vorhaben erst nach der nächsten Fed-Sitzung am 20./21. März kommunizieren können. Und bis dahin ist für die Börsen eine gefährlich lange Zeitspanne.

Unabhängig vom Wechsel an der Fed-Spitze ist klar, dass nach einem Kursanstieg des Dow Jones von rund 40 Prozent seit Donals Trumps Wahlsieg irgendwann eine kräftige Korrektur kommen musste. Um es mit André Kostolanys berühmtem Beispiel vom Herrn und Hund auszudrücken: der Hund - der Aktienarkt, vor allem in den USA - ist dem Herrn - der Wirtschftsentwicklung - zu weit vorausgelaufen. Das hat der Hund plötzlich bemerkt, und er kehrt schleunigst zum Herrn zurück. Was jetzt passiert, ist also ziemlich normal und ist im historisch langen Kursaufschwung seit 2009 immer wieder passiert, ohne den Aufwärtstrend entscheidend umzukehren. Dass es diesmal ähnlich läuft, dafür sprich vieles. Denn die Weltkonjunktur läuft glänzend und die Zinsen sind trotz der Steigerungen der letzten Monate immer noch extrem niedrig. Die Börse schaut zwar sechs bis neun Monate in die Zukunft - aber bis dahin dürfte sich das wirtschaftliche Umfeld nicht dramatisch verschlechtern, so lange geopolitische Katastrophen ausbleiben.

In der Geldpolitik - nicht nur der USA - wird sich allerdings einiges ändern, die Zeit der Nullzinsen wird allmählich enden. Das ist allerdings schon seit langem klar. Wie gut die Aktienmärkte die überfällige Straffung der Zinspolitik verkraften werden, liegt jetzt maßgeblich daran, wie die Fed und ihr neuer Chef vorgehen und wie Powell seine geplanten Schritte den Märkten kommuniziert.

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