Mittwoch, 14. März 2018

Die Zinswende lässt noch lange auf sich warten

Seit Ende Januar geht die Sorge um, die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Zinsen wegen der starken Konjunktur schneller und stärker anheben als bislang erwartet. Das hat die Anleihenrenditen nach oben getrieben und die Aktienmärkte nach unten. Nun aber kommt die Entwarnung: EZB-Chef Mario Draghi will noch lange Zeit an der Nullzinspolitik festhalten.

Das hat er heute in einer Rede verdeutlicht. Er hat klar gemacht, dass die Netto-Käufe von Anleihen, die noch bis mindestens Ende September 2018 ein Volumen von 30 Milliarden Euro pro Monat betragen, erst beendet wird, wenn die EZB eine "nachhaltige Anpassung des Inflationspfads" an die Zielmarke von nahezu 2% beobachtet. Und er hat versprochen, dass die Geldpolitik auch danach "eine ganze Zeit lang locker bleiben wird."

Damit zerstreut Draghi die Zinsängste, die er bereits nach der letzten EZB-Sitzung vorige Woche gemildert hatte. Nun aber ist er noch deutlicher geworden und ganz klar die niedrige Inflation in den Mittelpunkt gerückt und nicht die starke Konjunktur. Zusätzlich hat er betont, dass die EZB nicht auf die offizielle Preissteigerung schaut, sondern auf die Kernrate, bei der die schwankungsintensiven Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden. Da die Kernrate in der Eurozone im Februar nur bei 1,0% und damit unter der offiziellen Inflationsrate von 1,2% lag, hat Draghi also noch einen langen Weg zu gehen, bis die Teuerungsrate die anvisierten knapp 2% erreicht.

Deshalb ist zu erwarten, dass die EZB ihre Anleihekäufe auch nach September 2018 fortsetzten wird, aber möglicherweise mit geringerem, nach und nach abnehmendem Volumen. Und noch wichtiger ist, dass das Ende der Nullzinspolitik deswegen vermutlich auch 2019 nicht stattfinden wird, sondern wohl frühestens 2020.

Für die Zinsanleger sind das keine gute Nachrichten, müssen sie doch real - also nach Abzug der Inflation - weiterhin negative Zinsen verkraften. Für die Aktienmärkte ist das dagegen eine frohe Botschaft. Denn sie zeigt, dass der noch bis vor wenigen Tagen erwartete geldpolitische Gegenwind vorerst ausbleibt, und dass Aktien auch aufgrund ihrer hohen Dividendenrenditen von durchschnittlich 3% die Konkurrenz von Zinsanlagen nicht fürchten müssen.

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