Montag, 12. März 2018

Ernüchternde Halbzeitbilanz für die Brexitverhandlungen

Vor knapp einem Jahr reichte Großbritannien seinen Antrag zum Verlassen der Gemeinschaft bei der EU ein  - und in einem Jahr sollte ein Vertrag stehen, der das Danach regelt. Doch noch ist nichts erreicht. Im Gegenteil: Es droht ein harter Brexit, und der könnte teuer werden.

Eigentlich wollten die beiden Verhandlungspartner bis Oktober 2018 die wesentlichen Punkte so weit verhandelt haben, dass ein unterschriftsreifer Vertrag vorliegt. Denn nur so wäre es möglich gewesen, diesen Vertrag rechtzeitig bis zum Austrittstermin im März 2019 in allen beteiligten Staaten ratifizieren zu lassen. Viele Experten haben das von Anfang an angesichts der Fülle der Themen für schlicht nicht machbar gehalten. Inzwischen ist klar, dass es sogar für grundlegende Themen wie der Grenze auf der irischen Insel offensichtlich keine Lösung in Sicht ist.

Damit steht zur Halbzeit der Austrittsfrist fest, dass ein geregelter Austritt 2019 nicht mehr zu machen ist. Somit bleiben nur zwei Möglichkeiten: Eine Verlängerung der Verhandlungen oder ein Austritt ohne Vertrag. Wie teuer letzteres für die Unternehmen wäre, hat nun eine Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman und der Kanzlei Clifford Chance aufgelistet: Ohne Zollabkommen müssten Firmen aus der verbliebenen EU künftig jährlich 35 Milliarden Euro Zölle und Abgaben berappen, britische Exporteure etwas 30 Milliarden.

Macht als 65 Milliarden jährlich, die zwar anteilig den jeweiligen Importländern zur Verfügung stehen, der Wirtschaft aber fehlen würden. Und nicht eingerechnet sind alle anderen Kosten, die durch weniger Wachstum dies- und jenseits des Ärmelkanals entstehen. Es bleibt zu hoffen, dass die beteiligten Länder sich daher doch eher für die Verlängerungsvariante entscheiden werden.


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