Montag, 14. Mai 2018

Die Türkei steht vor einem Wirtschaftseinbruch

Zwei deutsche Fussballnationalspieler sind bei einem Fototermin in Ankara und die deutsche Presse  schäumt. Dass Mesut Özil und Ilkas Gündogan dem türkischen Präsidenten Erdogan je ein Trikot überreichen – das von Gündogan mit hochachtungsvoller Widmung – empört die deutsche Öffentlichkeit. Auch viele Politiker und der DFB sind empört, denn sie sehen den Termin als Wahlkampfhilfe für den Autokraten Erdogan. Die hat der aber durchaus nötig.


Vielleicht hat sich der eine oder anderes gewundert, warum Recep Tayyip Erdogan bereits in wenigen Wochen Neuwahlen angesetzt hat. Immerhin hat der türkische Präsident eine schöne Mehrheit im Parlament und die neue Verfassung garantiert ihm umfassende Macht. Doch der Grund ist ganz einfach: Erdogan will sich die Stimmen seiner Bürger sichern, bevor die Wirtschaft einbricht.

Denn das droht ganz klar: Seit Jahren wächst die türkische Wirtschaft mit beeindruckenden Raten, zuletzt waren es mehr als sieben Prozent. Der Aufschwung steht aber auf tönernen Füssen, die jederzeit brechen können. Denn er ist auf Pump finanziert. Und die Geldquellen versiegen allmählich.

Jahrelang lebte die Türkei vor allem von ausländischen Investitionen. Die bleiben seit dem Putschversuch 2016 und der harschen Reaktion der Regierung nun aus. Denn die Türkei entfernt sich immer weiter von Europa. Pressfreiheit, Menschenrecht und Rechtsstaatlichkeit sind ausgehöhlt, für Investoren ist so etwas kein attraktives Umfeld.

Die Folgen: Weniger Geld und eine dramatisch abstürzende Lira, mehr Inflation und erhebliche Überkapazitäten. Erdogan steuert nun für die Wahl noch einmal mit staatlichen Milliardengeschenken zum Beispiel an Renter gegen. Ob das noch langt ist allerdings fraglich.

Zwar steht seine Wiederwahl als Präsident so gut wie fest – immerhin gibt es keinen erstzunehmenden Gegenkandidaten. Doch im Parlament könnte seine AKP die Mehrheit verlieren. Und den Trick, noch einmal wählen zu lassen, wenn das Ergebnis nicht stimmt, wie schon 2015, könnte diesmal nach hinten los gehen. Denn Erdogan läuft die Zeit davon, die Wirtschaft macht den Bürgern schon jetzt mehr Sorgen als der Terrorismus und das dürfte mit der Zeit immer stärker werden.

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