Montag, 11. Juni 2018

Notenbanken im Fokus

Eigentlich scheint es diese Woche nur zwei Themen zu geben: Donald Trump und der Welthandel. Und Donald Trump und sein Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un. Doch für die Börsen dürften andere Akteure wichtiger werden: Die Zentralbanken dies- und jenseits des Atlantik.


Sowohl die Fed in den USA als auch Europas EZB tagen diese Woche und von von beiden erwarten die Märkte klare Schritte in Richtung Normalisierung der Zins- und Geldwirtschaft. In den USA scheint eine weitere Zinserhöhung so gut wie ausgemacht; In Europa erwarten Anleger ein klares Wort, dass das gigantische Programm zum Aufkauf von Anleihen allmählich ausläuft.

Beides ist gut vorbereitet und dürfte die Märkte daher normalerweise kaum schrecken. Doch beides kommt nun zu einer Unzeit. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte den Dollar stärken und das könnte das riesige Handelsdefizit noch weiter erhöhen. Donald Trump, der am Wochenende die Handelsordnung der Welt in Frage stellte, dürfte dadurch dann ermutigt werden, noch härtere Schritte einzuleiten – einen Zoll auf Autoimporte etwa.

Und in Europa schien das Ende der Stützungskäufe für klamme Europartner an der Zeit – bis Italien eine Regierung wählte, die eine neue Eurokrise hervorrufen könnte. Denn sie verspricht mehr Staatsausgaben und weniger Steuern, etwas, das nach Adam Riese nicht ohne neue Schulden zu machen ist. Einige Marktteilnehmer hoffen, dass die EZB eine eventuelle Krise durch Stützungen verhindern würde. Das wäre im Rahmen eines bestehenden Programms natürlich leichter und geräuschlos möglich.

Dennoch können sich beide Zentralbanken jetzt kaum von ihrem Kurs verabschieden. Die Krisenbotschaft, die von einer Kehrtwende ausgehen würde, könnte schlimmere Folgen haben als die Strategie, die sie vermutlich fahren werden: Augen zu und durch.

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