Dienstag, 5. Juni 2018

Starke Unternehmensgewinne sind die größte Börsenstütze

Im ersten Vierteljahr 2018 haben die Aktiengesellschaften deutlich besser verdient als ursprünglich erwartet - und die Aussichten für den Rest des Jahres haben sich ebenfalls aufgehellt. Die Unternehmensgewinne bilden damit an den Aktienmärkten ein starkes Gegengewicht zu den politischen Krisen.

Um beeindruckende 26,4% haben die Gewinne im US-Leitindex S+P 500 in den ersten drei Monaten zugelegt - vor ein paar Wochen waren "nur" gut 20% erwartet worden.  Mit 78% hat laut den Datensammlern von Thomson Reuters I/B/E/S zudem die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Für die restlichen drei Quartale sind die Schätzungen daraufhin ebenfalls nach oben angepasst worden, sie betragen jeweils um die 20% Plus. 2018 könnte damit in den USA zu einem der stärksten Gewinnjahre der letzten Jahrzehnte werden, dank robuster Konjunktur und Steuererleichterungen.

In Europa sieht es zwar deutlich schlechter aus, aber sehr viel besser als noch vor einem Monat kalkuliert worden war. Die Unternehmensgewinne im breiten Stoxx 600 werden nun den I/B/E/S-Schätzungen zufolge im ersten Quartal im Durchschnitt um 4,3% zulegen, in Deutschland um 4,9% - Ende April war nur ein müdes Plus von gut einem halben Prozent erwartet worden. Und in den Folgequartalen sieht der Konsens der Analysten für die 600 europäischen Unternehmen nun sogar einen kräftigeren Gewinnanstieg auf knapp 17% im dritten Quartal voraus. Für das Gesamtjahr werden trotz der merklichen Konjunkturabkühlung und der Handelskonflikte jetzt rund 9% erwartet, etwa doppelt so viel wie zu Frühjahrsbeginn. Hier hilft vor allem der Euro. Er hatte im ersten Quartal noch viele Ergebnisse verhagelt und dürfte nun, da sein Kurs zum Dollar deutlich gesunken ist, die Gewinne beflügeln.

Die über Erwarten starken Ertragszuwächse verbunden mit den Kursrückgängen seit dem Januar-Hoch haben die Bewertungsrelationen der Aktienmärkte deutlich verbessert. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S+P 500 auf Basis der für 2018 geschätzten Ergebnisse "nur" noch bei 16,3 und damit genau im Durchschnitt der letzten 5 Jahre - im Januar waren es zeitweise 18,5 gewesen. Beim Stoxx 600 beträgt das KGV mit knapp 14 und beim DAX mit knapp 13 jeweils rund 1,5 Punkte weniger als vor fünf Monaten.

Diese günstigeren Bewertungen bilden zusammen mit den verbesserten Gewinnaussichten theoretisch eine gute Basis für steigende Aktienkurse - allerdings dürften in der Praxis politische Probleme dafür sorgen, dass sich der Optimismus und die Kursgewinne in Grenzen halten und die Märkte sehr schwankungsanfällig bleiben.

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