Montag, 2. Juli 2018

Dax ignoriert die dunklen Wolken

Ein denkwürdiger Tag für den Dax ist das heute. Er feiert Geburtstag, seinen 30. Und muss ein paar Feder lassen, ein gutes halbes Prozent steht er im Minus. Das ist allerdings lächerlich wenig angesichts der Probleme, die sich derzeit zusammenbrauen.

Da ist zum einen die deutsche Regierungskrise. Innenminister Horst Seehofer drohte die Koalition zu sprengen, verkündet seinen Rücktritt und tritt dann wieder vom Rücktritt zurück und bleibt nun nach einem zusammengezimmerten Kompromiss vorerst doch im Amt. Damit scheint die Sache für Kanzlerin Merkel und die Regierung tatsächlich noch gut auszugehen. Doch die Differenzen sind nur notdürftig gekittet, abgesehen davon, dass auch die SPD noch zustimmen muss.

Echte Handlungsfähigkeit braucht aber eine geschlossene Mannschaft und davon dürfte die Ministerrunde in Berlin nun auf Dauer meilenweit entfernt sein. Eine handelungsschwache Regierung oder gar Neuwahlen mit einer erstarkten AFD: Beides ist eigentlich ein Perspektive, die Aktionäre gruseln lassen.

Gleichzeitig dröhnt US-Präsident Donald Trump weiter regelmäßig gegen die EU: Sie sei genauso schlimm wie China, sagte er aktuell einmal wieder. Heißt, es drohen weitere US-Zölle und Handelsbeschränkungen, die auch deutsche Unternehmen treffen.

Und da sind noch die indirekten Folgen des US-China-Handelsstreits. In China gehen die Konjunkturindikatoren spürbar zurück und die Börsen haben bereits deutlich reagiert. Rund 15 Prozent weniger als zu Jahresbeginn notiert der CSI-Index, der die 300 wichtigsten Aktien in China erfasst, alleine am Montag sank er um rund drei Prozent. Auch der Nikkei schwächelt. In Asien sitzen aber viele gute Kunden der deutschen Wirtschaft. Geht es ihnen schlechter, werden wir das auch hier zu spüren bekommen.

Es spricht also vieles für schlechtere Zeiten und viele scheinen sich darauf einzustellen – außer bislang die Aktionäre.

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