Dienstag, 3. Juli 2018

Trump hat die besseren Karten

Professor Carl Christian von Weizsäcker hat gestern in einem Vortrag am Münchner ifo-Institut Donald Trumps handelspolitischen Protektionismus unter wissenschaftlichen Aspekten analysiert. Und er hat ein durchaus rationales Verhalten des US-Präsidenten entdeckt.

Das Fazit der ausführlichen theoretischen Überlegungen von Weizsäckers, der als einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftswissenschaftler der letzten Jahrzehnte gilt, lautete kurz und bündig. "Bei Verhandlungen über Handelsverträge hat die Seite die besseren Karten, die Leistungsbilanzdefizite ausweist. Und die Verhandlungsstärke wächst mit der Größe des heimischen Marktes". Von Weizsäcker nannte das den "rationalen Kern der Trumponomics". Denn die USA weisen ein hohes Leistungsbilanzdefit aus, und ihr Binnenmarkt ist mit Abstand der größte.

Deutschland dagegen betreibe mit einem Leistungsbilanzüberschuß von 10,8% des privaten Konsums eine "beggar-thy-neighbour-Politik", schädige also dadurch, dass es per Saldo viel mehr spare als netto im Inland investiere, langfristig seine Handelspartner. Das könne nicht unbegrenzt so weitergehen und fördere Protektionismus. Deutschland solle, wenn es weiter eine Führungsrolle im europäischen Wirtschaftsraum spielen wolle, dem hohen Leistungsbilanzüberschuß entgegenwirken, indem es mehr Staatsschulden mache. Dadurch werde ein Teil der deutschen "Sparschwemme" absorbiert. Das trage dazu bei, dauerhafte Negativzinsen zu vermeiden, im Euroraum Prosperität und Vollbeschäftigung zu erzeugen und insgesamt eine ausgeglichenere Leistungsbilanz in Europa zu erreichen.

Von Weizsäcker trat deshalb entschieden dafür ein, die im Grundgesetz festgelegte Schuldenbremse zu lockern. Denn Deutschland habe, anders als beispielsweise Italien, viel Raum für eine höhere Staatsverschuldung.Und den solle die Regierung auch unter dem Aspekt des wachsenden Protektionismus nutzen.

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