Dienstag, 9. Oktober 2018

Chinas Notenbank stemmt sich gegen die Abschwungsangst

Noch sehen Chinas harte Wirtschafsdaten relativ robust aus - aber die Angst vor einer  Wachstumsabschwächung nach Trumps Strafzöllen lässt die Zentralbank zu Notmaßnahmen greifen: Sie hat zu Wochenbeginn den Liquiditätshahn weit geöffnet und wird vermutlich noch mehr unternehmen, um das Wirtschaftsklima nicht zu sehr abkühlen zu lassen.

Die People´s Bank of China hat die Mindestreserven, die Banken hinterlegen müssen, um weit über 100 Milliarden Dollar gesenkt und damit signalisiert, dass sie die Folgen der amerikanischen Strafzölle zumindest lindern möchte. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen nun leichter an Kredite kommen. Da auch die Regierung mit gezielten Steuererleichterungen und Infrastrukturausgaben die Konjunktur stützt, hoffen Chinas Wirtschaftslenker, dass das Wirtschaftswachstum in der Nähe der anvisierten 6,5 % bleiben wird.

Selbst der Internationale Währungsfonds (IWF), der nicht unbedingt als Freund Chinas gilt, erwartet in diesem Jahr nach den heute veröffentlichten Prognosen unverändert ein Wachstum um 6,6 %, für 2019 wurde die Voraussage leicht von 6,4 auf 6,2 % gestutzt.

Chinas Wirtschaft hilft, dass der Außenhandel längst nicht mehr die überragende Bedeutung hat wie noch vor einem Jahrzehnt. Der Anteil der Industrie an der chinesischen Wirtschaftsleistung hat auch deshalb deutlich zugunsten der Dienstleistungen abgenommen. Sie tragen inzwischen weit über die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei und wachsen wesentlich schneller als die Industrieproduktion. Das zeigen auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes für September. Sie gingen für die Dienstleister deutlich nach oben, für die Industrie leicht nach unten.

Die neue Liquiditätsfülle sowie die Erwartung sinkender Leitzinsen helfen Chinas Wirtschaft auch indirekt: Sie schwächen den Rinminbi gegenüber dem Dollar. Denn während die US-Notenbank die Zinsen noch weiter anheben will, lockert China die Geldpolitik massiv. Dieses Auseinanderdriften spricht klar für eine weitere Abwertung des Renminbi. Sie beträgt seit April bereits fast 10% und gleicht damit die Effekte der Strafzölle für Chians Exporteure teilweise aus. Eine weitere Abwertung, wie sie an den Devisenmärkten erwartet wird, würde der Industrie zusätzlich Halt geben.

Wenn es im Handelskrieg US-China nicht zum Äußersten kommen sollte, hat die zweitstärkste Wirtschaftsnation deshalb ganz gute Chancen, Trumps Sanktions- und Zollpolitik ohne allzu starke Blessuren zu überstehen. Das wäre auch für die Weltwirtschaft und damit für die Aktienmärkte ein Segen, für die Chinas Wachstumstempo ein entscheidender Faktor ist.

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