Donnerstag, 8. November 2018

Unbeliebte Kunden: Amerikaner in Deutschland und Deutsche in den USA

Wer in Deutschland Wertpapiere besitzt und in den USA der Steuerpflicht unterliegt, ist bei den meisten deutschen Banken nicht erwünscht. Immer mehr Geldinstitute kündigen entweder das Wertpapierdepot oder gleich alle Konten. Aber warum?

Den Grund erklärt die Commerzbank in einer Kundeninformation: „Hintergrund sind umfangreiche rechtliche Vorschriften in den USA zur Wertpapieraufsicht und zur Besteuerung von Wertpapieranlagen.“ Fatca (Foreign Account Tax Compliance Act) heißt die Regelung der US-Steuerbehörde, die entweder Banken zusätzliche Arbeit oder Kunden, die von ihrer Bank ein Kündigungsschreiben erhalten, Kopfzerbrechen bereitet.

Doch welche Lösung ist sinnvoll? Einfach alle Wertpapiere verkaufen sicherlich nicht. Vor allem, wenn es sich um langfristige Wertpapierengagements oder Mitarbeiteraktien handelt. Deutsche, die zum Beispiel Aktien vor 2009 erworben haben, also Altbestände besitzen, und in einigen Jahren nach Deutschland zurückzukehren wollen, müssten beim Verkauf den Gewinn in den USA versteuern. In Deutschland hingegen bliebe dieser Gewinn steuerfrei. Im Vergleich zur Steuer eher nachrangig, aber Verkauf und Neuerwerb bedeuten zusätzliche Gebührenbelastungen und andere Kurse, da der Geldtransfer von einem Haus zum nächsten ein paar Tage dauert.

Ein Übertrag der Wertpapiere zu einer anderen Bank ist daher eine pragmatische Lösung. In Deutschland jedoch eine Bank zu finden, ist schwer. Viele Banken haben den Kunden bereits gekündigt, planen dies oder nehmen keine Neukunden mit US-Wohnsitz an. Eine Ausnahme macht zum Beispiel Flatex. Wenn Sie, liebe Leser, weitere Anbieter kennen, lassen Sie die Leser dies gerne im Kommentarfeld unten wissen.

Eine andere Möglichkeit ist der Übertrag zu einer amerikanischen Bank. Hier sollte man aber vorher mit dem deutschen Finanzamt klären, ob vor 2009 erworbene Wertpapiere - im Falle einer späteren Rückkehr nach Deutschland - auch dann steuerfrei bleiben, wenn sie zwischenzeitlich bei einer US-Bank deponiert waren.

Ob die Wertpapiere in die USA oder innerhalb Deutschlands übertragen werden,  hängt vor allem von den persönlichen Präferenzen ab. Wer die Papiere in die USA überträgt, sollte wissen, dass zum einen der Transfer von Wertpapieren in die USA nicht immer ganz einfach ist und mehrere Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen kann. Zum anderen wickeln einige US-Häuser den Handel deutscher Standardaktien wie Allianz, Daimler & Co über die so genannten „Pink Sheets“ in den USA ab. Dieser Handel ist nicht reguliert, wird also auch nicht von der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC überwacht. Amerikanische Anbieter wie zum Beispiel Fidelity offerieren aber auch „International Trade“, so können die Aktien auch in Deutschland gehandelt werden.



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