Montag, 4. Februar 2019

Der US-Notenbankchef hat aus seinen Fehlern gelernt

Heute beendet Fed-Chef Jerome Powell das erste Jahr seiner Amtszeit. Konjunktur- und Finanzexperten kreiden ihm an, dass er es lange nicht verstanden habe, mit den Märkten über seine Absichten zu kommunizieren. Zwei heftige Kursstürze an den Aktienmärkten - Anfang und Ende 2018 - waren eine Folge davon. Aber spätestens seit der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung vorige Woche hat er Vertrauen zurückgewonnen.

Jeder neue US-Notenbankpräsident hat zu Beginn seiner Amtszeit Fehler in der Kommunikation gemacht - auch Powells Vorgängerin Janet Yellen. Aber bei Powell kam vielen Experten der Lernprozess deutlich länger vor als bei den anderen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ließ er Wirtschaft und Finanzmärkte mit vagen und teilweise widersprüchlichen Äußerungen immer wieder im Dunkeln über die Ziele und geplanten Schritte der Fed.

Erschwert hat ihm sein erstes Jahr ganz erheblich Donald Trump, denn der US-Präsident mischte sich wie kein zweiter in die Zinspolitik ein und kritisierte Powell bei jeder Gelegenheit. Der konnte deshalb vermutlich nicht immer das sagen, was er eigentlich vorhatte. Sonst wäre das als Einknicken vor Trump und als Ende einer unabhängigen Fed gewertet worden.

In seiner Pressekonferenz im Anschluss an die Fed-Sitzung vom 30. Januar hat er jedoch anscheinend dazugelernt. Statt nebulösen Äußerungen hat er deutlich skizziert, wie die Notenbank auf die gravierenden Veränderungen der Rahmendaten bei Konjunktur, Inflation und Börsen reagieren wird. Die US-Konjunktur bezeichnete er nur noch als solide statt bisher als stark, und den Wirtschaftsabschwung in China und Europa betrachtet er mit Sorge. Er betonte immer wieder, dass die Fed geduldig agieren werde, verwies auf den Rückgang der Inflationsrate und signalisierte eine Pause im Zinserhöhungszyklus.

Besonders erfreut hat die Anleger, dass er andeutete, er könne die Bilanzreduzierung der Fed, die mit einer Verringerung der riesigen Anleihenbestände erreicht werden soll, auch aussetzen, falls es zu Marktturbulenzen komme. Zinsexperten gehen nun für 2019 entweder von gar keiner Zinserhöhung der Fed mehr aus oder allerhöchstens einer. Und das lässt weltweit die Zinsangst schwinden, die noch im Herbst die Börsen stark belastet hatte.

Die Aktienmärkte in den USA haben auf Powells Signale und seine klaren Ansagen mit einer Fortsetzung der Erholung reagiert, und auch die Aktien der Emerging Markets zogen weiter an, denn die Schwellenländer hätten am meisten unter weiter steigenden US-Zinsen gelitten. Europa und hier vor allem Deutschland hinkt allerdings noch hinterher. Denn die Konjunktur entwickelt sich deutlich schlechter, als noch im Herbst 2018 erwartet worden war. Erst wenn dieser Abwärtstrend gebrochen wird, dürften internationalen Anleger die günstig bewerteten deutschen und europäischen Aktien neu entdecken.

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