Donnerstag, 19. März 2020

Corona-Crash - Tipps für Langfristanleger

Der Blick ins Depot ist derzeit für viele Anleger bitter, vor allem, wenn sie erst 2019 mit dem Investieren begonnen haben. Doch es gibt ein paar Fakten, die dabei helfen, kühlen Kopf zu bewahren.  

Ruhe bewahren - Sparpläne weiter besparen

Eigentlich wollen Sie ja langfristig anlegen, doch jetzt würde sie am liebsten gleich alles verkaufen? Sie haben zum Beispiel international breit gestreute Aktien-ETF erworben oder investieren schon seit einer Weile in einen Sparplan? Dann ist Ruhe bewahren die oberste Maxime. Wenn Sie jetzt nicht unbedingt verkaufen müssen, weil sie ganz dringend Geld benötigen (das hätten Sie dann im übrigen von vornherein besser ohnehin nicht in Aktien-ETF investieren sollen), dann halten Sie einfach durch und machen nicht aus Buchverluste durch einen Verkauf echte Verluste.

"Je länger der Anlagehorizont einer breitgestreuten Aktienanlage, desto geringer die Gefahr, mit dieser auf Dauer Verluste zu erleiden. Langfristig orientierte Anleger können trotz starker, kurz- und mittelfristiger Crashszenarien der Aktienanlage vertrauen", schreibt das Deutsche Aktieninstitut (DAI). "Wer genug Zeit mitbringt, muss sich von den aktuellen Börsenausschlägen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Egal ob Dotcom-Bubble oder Finanzkrise – die Märkte haben sich immer wieder erholt und deutlich zugelegt“, betont DAI-Vorständin Christine Bortenlänger.  

Die Langfristperspektive einnehmen

Zugegeben, nicht jeder will gleich für 120 Jahre anlegen. Aber die Langfristperspektive kann beruhigen: So zeigt eine Studie der Credit Suisse für den Zeitraum von 1900 bis 2020, dass Aktien in Deutschland abzüglich Preissteigerung eine jährliche realte Rendite von 3,3 Prozent erwirtschaftet haben – trotz zweier Weltkriege, Inflation und Pandemien, wie der Spanischen Grippe, rechnet das DAI vor. "Wer auf das Geld in den nächsten Jahren nicht angewiesen ist, sollte sich an diese Börsenweisheit erinnern: Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten“, unterstreicht Bortenlänger.

Breite Streuung ist das A und O

Die aktuelle Entwicklung hat gezeigt, dass eine breite Streuung über Länder, Regionen und Anlageformen hinweg in der aktuellen Marktentwicklung zentral war, um Verluste abzupuffern. So haben beispielsweise Staatsanleihen bislang in diesem Jahr ihre Aufgabe erfüllt und sind bei fallenden Aktienkursen gestiegen – und das, obwohl die Renditen zu Jahresbeginn nahe der Rekordtiefs lagen. „Die negative Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen hatte auch in der jüngsten Korrektur Bestand. Staatsanleihen können Anlegern helfen, mit der Portfoliovolatilität umzugehen“, betont Tilman Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.  

Auf Entwicklung der Neuinfektionszahlen achten

Dass die Ausbreitung des Corona-Virus gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft im ersten und mindestens auch im zweiten Quartal 2020 haben wirkt, steht außer Frage. „Wie stark und wie lange die Wirtschaft schrumpfen wird, hängt davon ab, wie schnell die Ansteckungsfälle ihren Höhepunkt erreichen und wie die Politik darauf reagieren wird. Selbst wenn die Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf wieder wachsen sollte, werden die Auswirkungen auf die Unternehmenserträge erheblich sein“, erläutert Tilmann Galler. Bis sich die Folgen der Epidemie in den Gewinnerwartungen und Bewertungen voll niederschlagen, könne jedoch noch einige Zeit vergehen. Galler glaut aber, dass sich die Weltwirtschaft erholen dürfte, wenn die Ausbreitung der Viruserkrankung eingedämmt ist – und empfiehlt Anlegern, auf die Zahl der Neuinfektionen zu achten und darauf, wie schnell und in welchem Umfang die Politik antwortet.  

Market-Timing ist schwierig

Aktuell ist es nach Meinung von Galler wenig sinnvoll, ein konkretes Ende oder den Wendepunkt in dieser Krise zu prognostizieren. Er hält eine breite globale Positionierung und eine ausgewogene Risikostruktur im Portfolio für hilfreich, die aktuellen Turbulenzen zu überstehen – um dann aber auch in der Lage zu sein, von der kommenden Erholung zu profitieren.

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