Dienstag, 5. Mai 2020

Der Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt drastisch

Die deutschen Versicherer wollen erreichen, dass der Garantiezins für neue Lebensversicherungen ab 2021 "nur" von 0,9 % auf 0,5 % sinkt. Aber der Aufsichtsbehörde BaFin schwebt anscheinend ein noch niedrigerer Satz vor.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), in der die Versicherungsmathematiker zusamengeschlossen sind, haben vorige Woche eine Empfehlung ausgegeben, den Garantiezins, der amtlich Höchstrechnungszins heißt, ab kommendem Jahr auf 0,5 % zu reduzieren. Der Satz würde dann für alle ab 2021 abgeschlossenen neuen klassichen Lebensversicherungen mit Beitragsgarantie gelten. Um wenigsten auf diesen minimalen Zinssatz zu kommen, hat die DAV die Berechnungsmethode jedoch umstellen müssen. Denn nach der alten, seit Jahrzehnten gültigen Formel wäre der Satz, den die Aktuare dem Finanzminister vorschlagen, deutlich mickriger ausgefallen.

Trotz der Rechentricks aber ist es keineswegs sicher, dass der Finanzminister diesmal wie üblich den Aktuaren folgt. Denn die Versicherungsaufsichtsbehörde BaFin spricht sich dem Vernehmen nach für einen halb so hohen Satz von 0,25 % aus. Gut möglich, dass das Finanzministerium einen Kompromiß wählt und einen Garantiezins zwischen 0,25% und 0,5 % genehmigt. Selbst das ist jedoch von der Versicherungswirtschaft nur schwer zu erwirtschaften. Da rund 85 % der Gelder der Versicherten in Zinsanlagen investiert werden, können bei Negativzinsen für deutsche Staatsanleihen und für Bankeinlagen nur schwer positive Renditen erwirtschaftet werden, zumal der Aktienanteil an den Kapitalanlagen mit rund 5 % extrem niedrig ist. Hinzu kommt, dass die Versicherungsgesellschaften immer mehr Mühe haben, die Garantien älterer, noch höher verzinster Lebensversicherungen zu verdienen. Deshalb müssen sie einen wachsenden Anteil der Erträge für diese Alt-Versicherer zurücklegen. Das nennt sich Zinszusatzreserve.

Die Chancen auf bessere Zeiten für die Renditen von Lebensversicherungen sehen die Aktuare übrigens nicht gerade als hoch an. Sie halten es für denkbar, dass die extreme Niedrigzinsphase an den internationalen Kapitalmärkten noch Jahrzehnte andauern kann. Keine rosigen Aussichten für Anleger, die eine neue klassiche Lebensversicherung abschließen. Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber über Sinn und Unsinn der totalen, kostspieligen Kapitalgarantie nachdenkt und seine Vorschriften an die neuen Zinsverhältnisse anpasst.

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